选择性暴力非法经济和墨西哥政府

Alke Jenss
{"title":"选择性暴力非法经济和墨西哥政府","authors":"Alke Jenss","doi":"10.5771/9783845298597-53","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"In Guerrero, Mexiko, sehen wir einen Mann mit Vollautomatikgewehr im Schatten einer Zeltplane am Tisch sitzen. In einem Artikel der britischen Zeitung The Guardian bezeichnet sich der Mann als Teil der Stratege einer bewaffneten „Selbstverteidigungsgruppe“, die behauptet, sie verfüge über 9.000 Mann. Hundert davon seien zum Töten ausgebildet: “[A] team that comes to destroy”. Was nach einem billigen Actionfilm klingt, zeigt einerseits die zersplitterte und schwer durchschaubare Sicherheitslage in Mexiko. Andererseits unterstreicht die Selbstpräsentation solcher Gruppen, dass sie nicht notwendigerweise antistaatliche Gewalt ausüben. Der Guardian zitiert den Mann, seine Verbindungen zum Militär seien bestens: “It’s a relationship of tolerance, if not coordination. [...] You don’t mess with us, and we don’t mess with you” (Stevenson 2019). Das gewaltsame Verschwindenlassen von 43 Studierenden aus Ayotzinapa im Jahr 2014 zeigte ähnliche, mindestens lokale und regionale Kooperationen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Gewaltund Sicherheitsakteuren. Artikel wie der des Guardian vermitteln, was Soziolog*innen und Politikwissenschaftler*innen Kollusion nennen: Die Transformation von Staatlichkeit geht mit der Verquickung zwischen Staat und Kriminalität einher. Fue el estado („es war der Staat“): Seit 2014 ist das common sense in Mexiko. 2018 belaufen sich die offiziellen Zahlen auf 37.000 gewaltsam Verschwundene seit 2007, als die Offensive des Staates \"gegen die Drogen\" begann (Secretariado Ejecutivo del Sistema Nacional de Seguridad Pública 2018). Ich argumentiere, dass in Mexiko selektive Sicherheitsarrangements zwischen staatlicher und nicht-staatlicher Gewaltausübung trotz sich verändernder Kräftekonstellationen und einer neuen Regierung, die Gewalt durch den Staat stets kritisiert der Logik nach auf Dauer gestellt sind. Es gilt eine staatliche Politik der selektiven Sicherheit (ausführlich: Jenss 2016). Der Text beginnt mit einer Begriffsklärung und der Skizzierung des theoretischen Zugangs, bevor ich anschließend zentrale Thesen zum Verhältnis von illegaler Ökonomie und Staat zur Diskussion stelle und entsprechende Entwicklungen in Mexiko nachzeichne.","PeriodicalId":301681,"journal":{"name":"Gewalt und Konfliktbearbeitung in Lateinamerika","volume":"15 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2020-06-25","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"0","resultStr":"{\"title\":\"Selektive Gewalt, illegale Ökonomie und der Staat in Mexiko\",\"authors\":\"Alke Jenss\",\"doi\":\"10.5771/9783845298597-53\",\"DOIUrl\":null,\"url\":null,\"abstract\":\"In Guerrero, Mexiko, sehen wir einen Mann mit Vollautomatikgewehr im Schatten einer Zeltplane am Tisch sitzen. In einem Artikel der britischen Zeitung The Guardian bezeichnet sich der Mann als Teil der Stratege einer bewaffneten „Selbstverteidigungsgruppe“, die behauptet, sie verfüge über 9.000 Mann. Hundert davon seien zum Töten ausgebildet: “[A] team that comes to destroy”. Was nach einem billigen Actionfilm klingt, zeigt einerseits die zersplitterte und schwer durchschaubare Sicherheitslage in Mexiko. Andererseits unterstreicht die Selbstpräsentation solcher Gruppen, dass sie nicht notwendigerweise antistaatliche Gewalt ausüben. Der Guardian zitiert den Mann, seine Verbindungen zum Militär seien bestens: “It’s a relationship of tolerance, if not coordination. [...] You don’t mess with us, and we don’t mess with you” (Stevenson 2019). Das gewaltsame Verschwindenlassen von 43 Studierenden aus Ayotzinapa im Jahr 2014 zeigte ähnliche, mindestens lokale und regionale Kooperationen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Gewaltund Sicherheitsakteuren. Artikel wie der des Guardian vermitteln, was Soziolog*innen und Politikwissenschaftler*innen Kollusion nennen: Die Transformation von Staatlichkeit geht mit der Verquickung zwischen Staat und Kriminalität einher. Fue el estado („es war der Staat“): Seit 2014 ist das common sense in Mexiko. 2018 belaufen sich die offiziellen Zahlen auf 37.000 gewaltsam Verschwundene seit 2007, als die Offensive des Staates \\\"gegen die Drogen\\\" begann (Secretariado Ejecutivo del Sistema Nacional de Seguridad Pública 2018). Ich argumentiere, dass in Mexiko selektive Sicherheitsarrangements zwischen staatlicher und nicht-staatlicher Gewaltausübung trotz sich verändernder Kräftekonstellationen und einer neuen Regierung, die Gewalt durch den Staat stets kritisiert der Logik nach auf Dauer gestellt sind. Es gilt eine staatliche Politik der selektiven Sicherheit (ausführlich: Jenss 2016). Der Text beginnt mit einer Begriffsklärung und der Skizzierung des theoretischen Zugangs, bevor ich anschließend zentrale Thesen zum Verhältnis von illegaler Ökonomie und Staat zur Diskussion stelle und entsprechende Entwicklungen in Mexiko nachzeichne.\",\"PeriodicalId\":301681,\"journal\":{\"name\":\"Gewalt und Konfliktbearbeitung in Lateinamerika\",\"volume\":\"15 1\",\"pages\":\"0\"},\"PeriodicalIF\":0.0000,\"publicationDate\":\"2020-06-25\",\"publicationTypes\":\"Journal Article\",\"fieldsOfStudy\":null,\"isOpenAccess\":false,\"openAccessPdf\":\"\",\"citationCount\":\"0\",\"resultStr\":null,\"platform\":\"Semanticscholar\",\"paperid\":null,\"PeriodicalName\":\"Gewalt und Konfliktbearbeitung in Lateinamerika\",\"FirstCategoryId\":\"1085\",\"ListUrlMain\":\"https://doi.org/10.5771/9783845298597-53\",\"RegionNum\":0,\"RegionCategory\":null,\"ArticlePicture\":[],\"TitleCN\":null,\"AbstractTextCN\":null,\"PMCID\":null,\"EPubDate\":\"\",\"PubModel\":\"\",\"JCR\":\"\",\"JCRName\":\"\",\"Score\":null,\"Total\":0}","platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Gewalt und Konfliktbearbeitung in Lateinamerika","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://doi.org/10.5771/9783845298597-53","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
引用次数: 0

摘要

在墨西哥的Guerrero一个人,有一把自动步枪在帐篷篷下坐在椅子上英国的《卫报》一篇文章报道,这个人被视为一个自称有9000人身居“自卫队”武装集团成员的战略家。说他们训练了100人去杀人。这听起来像一出动作片,反映出墨西哥分裂重重、缺乏透明度的安全局势。另一方面,向这些组织展示自己并不一定实行反国家暴力。《卫报》引述一篇文章说他与军队的关系很好:“这是一个关系亲密而非行为难以协调[...“你不跟我们在一起,我们不跟你在一起”(史蒂文森2019)。2014年阿约辛格43名学生暴力失踪事件也表明了类似的结果——至少是本地和地区政府和非政府暴力与安全行动者的合作。《卫报》这篇文章描述社会学家、政治学家*的内涵,即国家地位的改变伴随着国家与犯罪之间的联系。我们el estado(“国家”):这是2014年以来墨西哥好.官方数据2018年占37000被迫失踪自2007年起,国家的进攻开始“反毒品”(Secretariado Ejecutivo del Sistema Nacional de Seguridad Pública 2018) .我强调在墨西哥,尽管权力分布发生了变化,并且新政府成立了,但政府间的安全安排可以维持下去。我们有选择性安全的公共政策(选择性:2016年)。这一课文为理解目的做了准备,阐明理论进入的情况,然后我再讨论有关墨西哥非法经济和国家关系的核心纲要并概述这方面的发展。
本文章由计算机程序翻译,如有差异,请以英文原文为准。
Selektive Gewalt, illegale Ökonomie und der Staat in Mexiko
In Guerrero, Mexiko, sehen wir einen Mann mit Vollautomatikgewehr im Schatten einer Zeltplane am Tisch sitzen. In einem Artikel der britischen Zeitung The Guardian bezeichnet sich der Mann als Teil der Stratege einer bewaffneten „Selbstverteidigungsgruppe“, die behauptet, sie verfüge über 9.000 Mann. Hundert davon seien zum Töten ausgebildet: “[A] team that comes to destroy”. Was nach einem billigen Actionfilm klingt, zeigt einerseits die zersplitterte und schwer durchschaubare Sicherheitslage in Mexiko. Andererseits unterstreicht die Selbstpräsentation solcher Gruppen, dass sie nicht notwendigerweise antistaatliche Gewalt ausüben. Der Guardian zitiert den Mann, seine Verbindungen zum Militär seien bestens: “It’s a relationship of tolerance, if not coordination. [...] You don’t mess with us, and we don’t mess with you” (Stevenson 2019). Das gewaltsame Verschwindenlassen von 43 Studierenden aus Ayotzinapa im Jahr 2014 zeigte ähnliche, mindestens lokale und regionale Kooperationen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Gewaltund Sicherheitsakteuren. Artikel wie der des Guardian vermitteln, was Soziolog*innen und Politikwissenschaftler*innen Kollusion nennen: Die Transformation von Staatlichkeit geht mit der Verquickung zwischen Staat und Kriminalität einher. Fue el estado („es war der Staat“): Seit 2014 ist das common sense in Mexiko. 2018 belaufen sich die offiziellen Zahlen auf 37.000 gewaltsam Verschwundene seit 2007, als die Offensive des Staates "gegen die Drogen" begann (Secretariado Ejecutivo del Sistema Nacional de Seguridad Pública 2018). Ich argumentiere, dass in Mexiko selektive Sicherheitsarrangements zwischen staatlicher und nicht-staatlicher Gewaltausübung trotz sich verändernder Kräftekonstellationen und einer neuen Regierung, die Gewalt durch den Staat stets kritisiert der Logik nach auf Dauer gestellt sind. Es gilt eine staatliche Politik der selektiven Sicherheit (ausführlich: Jenss 2016). Der Text beginnt mit einer Begriffsklärung und der Skizzierung des theoretischen Zugangs, bevor ich anschließend zentrale Thesen zum Verhältnis von illegaler Ökonomie und Staat zur Diskussion stelle und entsprechende Entwicklungen in Mexiko nachzeichne.
求助全文
通过发布文献求助,成功后即可免费获取论文全文。 去求助
来源期刊
自引率
0.00%
发文量
0
×
引用
GB/T 7714-2015
复制
MLA
复制
APA
复制
导出至
BibTeX EndNote RefMan NoteFirst NoteExpress
×
提示
您的信息不完整,为了账户安全,请先补充。
现在去补充
×
提示
您因"违规操作"
具体请查看互助需知
我知道了
×
提示
确定
请完成安全验证×
copy
已复制链接
快去分享给好友吧!
我知道了
右上角分享
点击右上角分享
0
联系我们:info@booksci.cn Book学术提供免费学术资源搜索服务,方便国内外学者检索中英文文献。致力于提供最便捷和优质的服务体验。 Copyright © 2023 布克学术 All rights reserved.
京ICP备2023020795号-1
ghs 京公网安备 11010802042870号
Book学术文献互助
Book学术文献互助群
群 号:481959085
Book学术官方微信