Lisa Weller, Regina Poß-Doering, Thomas Grobe, Thomas Fleischhauer, Gunter Laux, Jona Frasch, Attila Altiner, Kerstin Protz, Joachim Szecsenyi, Jonas D. Senft
{"title":"Ambulante Versorgung des Ulcus cruris venosum in Deutschland: Eine retrospektive Analyse von Abrechnungsdaten","authors":"Lisa Weller, Regina Poß-Doering, Thomas Grobe, Thomas Fleischhauer, Gunter Laux, Jona Frasch, Attila Altiner, Kerstin Protz, Joachim Szecsenyi, Jonas D. Senft","doi":"10.1111/ddg.70021x","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"<p>Die Behandlung chronischer Wunden stellt sowohl medizinisch als auch ökonomisch eine große Herausforderung dar. Bis zu 80 % der chronischen Ulzerationen der unteren Extremität sind auf eine chronisch-venöse Insuffizienz zurückzuführen.<span><sup>1</sup></span> Die Prävalenz venöser Ulzera in Deutschland wird auf 0,7 %–1,4 % geschätzt und nimmt in Altersgruppen über 65 Jahren deutlich zu.<span><sup>2, 3</sup></span> Aufgrund des demografischen Wandels ist künftig mit einer Verschärfung des Versorgungssituation zu rechnen. Neben den physischen, psychischen und sozialen Krankheitsfolgen für die Betroffenen ist das Ulcus cruris venosum (UCV) mit hohen gesundheitsökonomischen Kosten und Arbeitsausfällen verbunden.<span><sup>2, 3</sup></span> Laut Versorgungsanalysen entfallen 1 %–2 % des gesamten Gesundheitsbudgets auf die Behandlungskosten.<span><sup>4</sup></span></p><p>In Deutschland empfiehlt die kürzlich überarbeitete konsensbasierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie venöser Beinulzera eine frühzeitige und konsequente Kompressionstherapie für Patienten mit UCV, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.<span><sup>1, 5</sup></span> Sie ist ein zentraler Bestandteil der konservativen Behandlung, deren Wirksamkeit auf die Wundheilung bei fachgerechter Anwendung mit einem Anlagedruck von 40–60 mmHg durch Evidenzklasse IA belegt ist.<span><sup>6</sup></span> Ihre konsequente und sachgerechte Anwendung ist mit einer geringeren Rezidivrate, einer Schmerzreduktion und einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität assoziiert.<span><sup>6, 7</sup></span> Dennoch wird die Kompressionstherapie laut Versorgungsanalysen nur in etwa 31 %–61 % der Fälle eingesetzt, wobei auch Defizite in der praktischen Umsetzung bestehen.<span><sup>8, 9</sup></span></p><p>Das GBA-Innovationsfondsförderprojekt Ulcus Cruris Care (Nr. 01VSF19043) zielt darauf ab, auf Grundlage aktueller Leitlinien<span><sup>1, 10, 11</sup></span> und wissenschaftlicher Erkenntnisse ein evidenzbasiertes, patientenorientiertes Versorgungskonzept zur Behandlung des UCV in der hausärztlichen Praxis zu entwickeln und umzusetzen. Im Rahmen des Projekts wurden Routinedaten der gesetzlichen Krankenkasse AOK Baden-Württemberg ausgewertet, um die aktuelle ambulante Versorgungssituation zu untersuchen. Ziel der vorliegenden Analyse war insbesondere die Erfassung des Einsatzes der Kompressionstherapie als zentrales Behandlungselement, ärztlicher Konsultationen, relevanter operativer Eingriffe sowie der insgesamt entstandenen Kosten. Die Ergebnisse dieser Studie können zur Umsetzung geeigneter Interventionen beitragen und damit die ambulante Versorgung von Patienten mit UCV verbessern.</p><p>Open access Veröffentlichung ermöglicht und organisiert durch Projekt DEAL.</p><p>Das Projekt <i>Ulcus Cruris Care</i> wird durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert (01VSF19043).</p><p>K.P. erhielt Honorare für Beratungen und/oder Vorträge von Bauerfeind, Essity/Jobst, Curea, Hartmann, Lohmann & Rauscher, Juzo, medi und Urgo. Alle weiteren Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.</p>","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 10","pages":"1426-1434"},"PeriodicalIF":5.0000,"publicationDate":"2026-10-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ddg.70021x","citationCount":"0","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","FirstCategoryId":"3","ListUrlMain":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ddg.70021x","RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"Q1","JCRName":"DERMATOLOGY","Score":null,"Total":0}
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Abstract
Die Behandlung chronischer Wunden stellt sowohl medizinisch als auch ökonomisch eine große Herausforderung dar. Bis zu 80 % der chronischen Ulzerationen der unteren Extremität sind auf eine chronisch-venöse Insuffizienz zurückzuführen.1 Die Prävalenz venöser Ulzera in Deutschland wird auf 0,7 %–1,4 % geschätzt und nimmt in Altersgruppen über 65 Jahren deutlich zu.2, 3 Aufgrund des demografischen Wandels ist künftig mit einer Verschärfung des Versorgungssituation zu rechnen. Neben den physischen, psychischen und sozialen Krankheitsfolgen für die Betroffenen ist das Ulcus cruris venosum (UCV) mit hohen gesundheitsökonomischen Kosten und Arbeitsausfällen verbunden.2, 3 Laut Versorgungsanalysen entfallen 1 %–2 % des gesamten Gesundheitsbudgets auf die Behandlungskosten.4
In Deutschland empfiehlt die kürzlich überarbeitete konsensbasierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie venöser Beinulzera eine frühzeitige und konsequente Kompressionstherapie für Patienten mit UCV, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.1, 5 Sie ist ein zentraler Bestandteil der konservativen Behandlung, deren Wirksamkeit auf die Wundheilung bei fachgerechter Anwendung mit einem Anlagedruck von 40–60 mmHg durch Evidenzklasse IA belegt ist.6 Ihre konsequente und sachgerechte Anwendung ist mit einer geringeren Rezidivrate, einer Schmerzreduktion und einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität assoziiert.6, 7 Dennoch wird die Kompressionstherapie laut Versorgungsanalysen nur in etwa 31 %–61 % der Fälle eingesetzt, wobei auch Defizite in der praktischen Umsetzung bestehen.8, 9
Das GBA-Innovationsfondsförderprojekt Ulcus Cruris Care (Nr. 01VSF19043) zielt darauf ab, auf Grundlage aktueller Leitlinien1, 10, 11 und wissenschaftlicher Erkenntnisse ein evidenzbasiertes, patientenorientiertes Versorgungskonzept zur Behandlung des UCV in der hausärztlichen Praxis zu entwickeln und umzusetzen. Im Rahmen des Projekts wurden Routinedaten der gesetzlichen Krankenkasse AOK Baden-Württemberg ausgewertet, um die aktuelle ambulante Versorgungssituation zu untersuchen. Ziel der vorliegenden Analyse war insbesondere die Erfassung des Einsatzes der Kompressionstherapie als zentrales Behandlungselement, ärztlicher Konsultationen, relevanter operativer Eingriffe sowie der insgesamt entstandenen Kosten. Die Ergebnisse dieser Studie können zur Umsetzung geeigneter Interventionen beitragen und damit die ambulante Versorgung von Patienten mit UCV verbessern.
Open access Veröffentlichung ermöglicht und organisiert durch Projekt DEAL.
Das Projekt Ulcus Cruris Care wird durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert (01VSF19043).
K.P. erhielt Honorare für Beratungen und/oder Vorträge von Bauerfeind, Essity/Jobst, Curea, Hartmann, Lohmann & Rauscher, Juzo, medi und Urgo. Alle weiteren Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
期刊介绍:
The JDDG publishes scientific papers from a wide range of disciplines, such as dermatovenereology, allergology, phlebology, dermatosurgery, dermatooncology, and dermatohistopathology. Also in JDDG: information on medical training, continuing education, a calendar of events, book reviews and society announcements.
Papers can be submitted in German or English language. In the print version, all articles are published in German. In the online version, all key articles are published in English.