{"title":"Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau? Die Berichterstattung über die Kandidaten der Bundespräsidentenwahl 2004","authors":"Nancy Drinkmann, Claudio Caballero","doi":"10.1007/978-3-531-90540-2_11","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"„Frau nach Rau“ — mit diesem Slogan begaben sich die Regierungsfraktionen SPD und Grüne auf die Suche nach einer geeigneten Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten 2004. Und so wurde, nachdem sich die Oppositionsfraktionen CDU, CSU und FDP auf den Volkswirt und Chef des Internationalen Währungsfonds Horst Köhler verständigt hatten, die Professorin für Politikwissenschaft und Viadrina-Präsidentin Gesine Schwan zur Kandidatin gekürt. Ähnlich wie ihren Vorgängerinnen Annemarie Renger (1979), Luise Rinser (1984), Hildegard Hamm-Brücher (1994), Dagmar Schipanski und Uta Ranke-Heinemann (1999) haftete ihr — zumindest bei ihrer Benennung — das Image einer Zählkandidatin an, da das Stimmenverhältnis in der Bundesversammlung und damit der (männliche) Sieger wie in den vorangegangenen Wahlen berechenbar waren. Jedoch war Gesine Schwan eine Kandidatin, die aus mehreren Gründen auch von den Mitgliedern der Oppositionsparteien wählbar schien. Zunächst dürfte sie als konservative SPD-Politikerin aufgrund ihrer politischen Ansichten mit einigen Unionspolitikern durchaus eine inhaltliche Schnittmenge aufgewiesen haben. Weiterhin ließen die vorhergegangenen Querelen um einen geeigneten Kandidaten, insbesondere bei der Diskussion um Wolfgang Schäuble, vermuten, dass die Parteiräson innerhalb von CDU, CSU und FDP weniger bindend ausfallen würde. Und nicht zuletzt wurde in den Medien die Möglichkeit thematisiert, dass Gesine Schwan im Zuge einer übergreifenden Frauensolidarität unabhängig von der Parteizugehörigkeit verstärkt von den weiblichen Mitgliedern der Bundesversammlung gewählt werden würde.","PeriodicalId":30031,"journal":{"name":"Zeitschrift fur Junge Religionswissenschaft","volume":"1 1","pages":"167-203"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2007-12-02","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"3","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Zeitschrift fur Junge Religionswissenschaft","FirstCategoryId":"0","ListUrlMain":"https://doi.org/10.1007/978-3-531-90540-2_11","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
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Abstract
„Frau nach Rau“ — mit diesem Slogan begaben sich die Regierungsfraktionen SPD und Grüne auf die Suche nach einer geeigneten Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten 2004. Und so wurde, nachdem sich die Oppositionsfraktionen CDU, CSU und FDP auf den Volkswirt und Chef des Internationalen Währungsfonds Horst Köhler verständigt hatten, die Professorin für Politikwissenschaft und Viadrina-Präsidentin Gesine Schwan zur Kandidatin gekürt. Ähnlich wie ihren Vorgängerinnen Annemarie Renger (1979), Luise Rinser (1984), Hildegard Hamm-Brücher (1994), Dagmar Schipanski und Uta Ranke-Heinemann (1999) haftete ihr — zumindest bei ihrer Benennung — das Image einer Zählkandidatin an, da das Stimmenverhältnis in der Bundesversammlung und damit der (männliche) Sieger wie in den vorangegangenen Wahlen berechenbar waren. Jedoch war Gesine Schwan eine Kandidatin, die aus mehreren Gründen auch von den Mitgliedern der Oppositionsparteien wählbar schien. Zunächst dürfte sie als konservative SPD-Politikerin aufgrund ihrer politischen Ansichten mit einigen Unionspolitikern durchaus eine inhaltliche Schnittmenge aufgewiesen haben. Weiterhin ließen die vorhergegangenen Querelen um einen geeigneten Kandidaten, insbesondere bei der Diskussion um Wolfgang Schäuble, vermuten, dass die Parteiräson innerhalb von CDU, CSU und FDP weniger bindend ausfallen würde. Und nicht zuletzt wurde in den Medien die Möglichkeit thematisiert, dass Gesine Schwan im Zuge einer übergreifenden Frauensolidarität unabhängig von der Parteizugehörigkeit verstärkt von den weiblichen Mitgliedern der Bundesversammlung gewählt werden würde.