{"title":"Interesse an Chemie und den MINT-Fächern fördern – Strategien für die nächste Generation","authors":"Thomas Eberle","doi":"10.1002/ciuz.70051","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"<p>A ls Wissenschafts- und Technologieunternehmen ist Merck in den Bereichen Healthcare, Life Science und Elektronics tätig. Darüber hinaus fördern wir aktiv die Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), um das Interesse und die Neugier der nächsten Generation für Wissenschaft, Technologie und Forschung zu wecken. Zu den vielfältigen Initiativen gehören unsere Schülerlabore, die Förderung von Projekten an Schulen sowie die Unterstützung an Wettbewerben für Kinder und Jugendliche.</p><p>Die Bildungsforschung identifiziert drei Schlüsselfaktoren, die das Interesse an MINT-Fächern vertiefen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass junge Menschen entsprechende Studiengänge und Berufe wählen [<span>(1)</span>]:</p><p>Als Unternehmen können wir besonders die frühkindliche Förderung sowie die Schaffung von Schlüsselerlebnissen unterstützen [<span>(2)</span>]. Unser Fokus liegt darauf, praktische Experimentiererfahrungen zu ermöglichen. Beispielsweise bieten wir Experimentierboxen an, die unsere Mitarbeitenden in Kindergärten mitnehmen, um mit den Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren einfache Experimente durchzuführen. Ältere Kinder und Jugendliche können ihre Neugier und Experimentierfreude durch unsere weiterführenden Angebote entfalten. So kooperiert Merck mit der Technischen Universität Darmstadt und betreibt gemeinsame Schülerlabore in den Fächern Chemie und Biologie. Hier haben Schulklassen die Möglichkeit, eigenständig in modernen Einrichtungen Experimente durchzuführen, fernab von ihrem regulären Schulalltag. Dieser praxisorientierte Ansatz bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, wertvolle und prägende Erlebnisse zu sammeln, die ihre Zukunft maßgeblich prägen können, während sie unter fachkundiger Anleitung wissenschaftliche Konzepte entdecken und erforschen.</p><p>Zusätzlich haben wir den Curiosity Cube, ein mobiles Wissenschaftslabor in einem umgebauten Container, der international reist und interaktive, experimentbasierte MINT-Aktivitäten direkt zu Schulen bringt. Merck fördert zudem Workshops und Wettbewerbe, wie den Landeswettbewerb <i>Jugend forscht</i>, das <i>Erfinderlabor</i> für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, den landesweiten <i>Tag der Mathematik</i> und regionale <i>Biologie- und Chemie-Olympiaden</i>. Jedes Jahr verleihen wir den Merck-Abiturpreis an etwa 90 talentierte MINT-Schülerinnen und -Schüler in Darmstadt und Umgebung.</p><p>Insgesamt sind diese Initiativen nicht nur für die einzelnen Individuen bedeutsam, sondern sie leisten auch einen gesellschaftlichen Beitrag, indem sie die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen oder Forschern fördern.</p><p>Lehrkräfte sind die wichtigen Botschafter für die Förderung von MINT-Fächern. Deshalb veranstalten wir gezielte Fachtage für Lehrkräfte, bei denen wir zukunftsorientierte Themen erörtern, um sie zu inspirieren und zu motivieren, ansprechende MINT-Unterrichtseinheiten zu entwickeln. Seit 2019 verleihen wir in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift <i>Chemie in unserer Zeit</i> den Stöckhardt-Preis, um Lehrkräfte zu unterstützen und die experimentelle Chemieausbildung voranzubringen. Dieser mit 2000 € ausgezeichnete Preis würdigt herausragende Beiträge für den Chemieunterricht und fördert kreative, innovative Lehransätze. Bisher wurden folgende Lehrkräfte mit diesem Preis ausgezeichnet:</p><p>2019: Michael Linkwitz, Bensberg [<span>(3)</span>]</p><p>2020: Petra Wolthaus, Köln [<span>(4)</span>]</p><p>2021: Philipp Meyer, Wiesbaden [<span>(5)</span>]</p><p>2022: Carola Nieß, Bolanden [<span>(6)</span>]</p><p>2023: Wiebke Endres, Wilhelmshaven</p><p>2024: Antonia Wallbraun, Oldenburg [<span>(7)</span>]</p><p>2025: Marco Reinmold, Frankfurt [<span>(8)</span>]</p><p>Die innovativen, preisgekrönten Ideen der Preisträger wurden alle in Chemie in unserer Zeit veröffentlicht (siehe Referenzen).</p><p>Der Preis ist nach <b>Julius Adolph Stöckhardt</b> (1809–1886) benannt, einem bedeutenden deutschen Chemiker und Pädagogen, der für seine Beiträge zur Chemieausbildung und seine Bemühungen um praktische Schulungen für Lehrkräfte bekannt war. Sein Erbe ermutigt Lehrkräfte, experimentelle und interaktive Lehrmethoden in ihren Unterricht zu integrieren. Eines seiner erfolgreichsten Bücher ist „Schule der Chemie“, das in zahlreiche Sprachen übersetzt und in 21 Auflagen veröffentlicht wurde [<span>(9)</span>]. Darin präsentiert Stöckhardt die Grundlagen der Chemie durch einfache, praktische Experimente. Renommierte Chemiker wie Wilhelm Ostwald, Adolph von Baeyer und Emil Fischer sollen von diesem Buch so beeindruckt gewesen sein, dass es sie dazu inspirierte, sich der Chemie zu widmen.</p><p><b>Der Stöckhardt-Preisträger 2025,</b> Marco Reinmold, ein Chemie- und Mathematiklehrer aus Frankfurt, erhielt den Julius Adolph Stöckhardt Preis für seine bemerkenswerten Beiträge zu „Rethinking the Squeaky Pop Test – A Novel Hydrogen Test for Chemistry Classes“ im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Goethe-Universität in Frankfurt unter Anleitung von Armin Lühken [<span>(10)</span>]. In seiner entwickelten Unterrichtseinheit verwendet er ein innovatives Katalysatorsystem aus Palladium und Zinkoxid, kombiniert mit einem Redoxfarbstoff, um Wasserstoff sicher und vor allem mit hoher Spezifität – im Gegensatz zur „Knallgasprobe“ – nachzuweisen.</p><p>Zuletzt zeigen erneut Ergebnisse einer Studie mit 10- bis 16-Jährigen [<span>(11)</span>], dass MINT-Fächer im Vergleich zu anderen Fächern als weniger beliebt wahrgenommen werden. Besonders die Chemie polarisiert dabei stark: Obwohl sich etwa 70 % der befragten Schülerinnen und Schüler als gut bis sehr gut in Chemie einschätzen, geben allerdings nur 29 % an, das Fach auch zu mögen. Zudem können sich lediglich 16 % vorstellen, einen Beruf zu ergreifen, in dem Chemie eine zentrale Rolle spielt.</p><p>Die Studie hebt hervor, dass es nicht vorrangig darum geht, die schulischen Leistungen zu verbessern, sondern vor allem langfristige Begeisterung für Chemie und MINT-Berufe zu fördern. Alle Bildungspartner sind gefordert, und als Unternehmen möchten wir hierzu auch einen Beitrag leisten.</p><p>Neben Initiativen, die sich direkt an Schülerinnen und Schüler richten, wollen wir auch weiterhin den Austausch mit Lehrkräften pflegen <b>und rufen Chemie-Lehrkräfte landesweit dazu auf, sich für den Stöckhardt-Preis 2026 zu bewerben</b>. Informationen [<span>(12)</span>] und <b>Bewerbungen bis zum 31. 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Abstract
A ls Wissenschafts- und Technologieunternehmen ist Merck in den Bereichen Healthcare, Life Science und Elektronics tätig. Darüber hinaus fördern wir aktiv die Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), um das Interesse und die Neugier der nächsten Generation für Wissenschaft, Technologie und Forschung zu wecken. Zu den vielfältigen Initiativen gehören unsere Schülerlabore, die Förderung von Projekten an Schulen sowie die Unterstützung an Wettbewerben für Kinder und Jugendliche.
Die Bildungsforschung identifiziert drei Schlüsselfaktoren, die das Interesse an MINT-Fächern vertiefen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass junge Menschen entsprechende Studiengänge und Berufe wählen [(1)]:
Als Unternehmen können wir besonders die frühkindliche Förderung sowie die Schaffung von Schlüsselerlebnissen unterstützen [(2)]. Unser Fokus liegt darauf, praktische Experimentiererfahrungen zu ermöglichen. Beispielsweise bieten wir Experimentierboxen an, die unsere Mitarbeitenden in Kindergärten mitnehmen, um mit den Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren einfache Experimente durchzuführen. Ältere Kinder und Jugendliche können ihre Neugier und Experimentierfreude durch unsere weiterführenden Angebote entfalten. So kooperiert Merck mit der Technischen Universität Darmstadt und betreibt gemeinsame Schülerlabore in den Fächern Chemie und Biologie. Hier haben Schulklassen die Möglichkeit, eigenständig in modernen Einrichtungen Experimente durchzuführen, fernab von ihrem regulären Schulalltag. Dieser praxisorientierte Ansatz bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, wertvolle und prägende Erlebnisse zu sammeln, die ihre Zukunft maßgeblich prägen können, während sie unter fachkundiger Anleitung wissenschaftliche Konzepte entdecken und erforschen.
Zusätzlich haben wir den Curiosity Cube, ein mobiles Wissenschaftslabor in einem umgebauten Container, der international reist und interaktive, experimentbasierte MINT-Aktivitäten direkt zu Schulen bringt. Merck fördert zudem Workshops und Wettbewerbe, wie den Landeswettbewerb Jugend forscht, das Erfinderlabor für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, den landesweiten Tag der Mathematik und regionale Biologie- und Chemie-Olympiaden. Jedes Jahr verleihen wir den Merck-Abiturpreis an etwa 90 talentierte MINT-Schülerinnen und -Schüler in Darmstadt und Umgebung.
Insgesamt sind diese Initiativen nicht nur für die einzelnen Individuen bedeutsam, sondern sie leisten auch einen gesellschaftlichen Beitrag, indem sie die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen oder Forschern fördern.
Lehrkräfte sind die wichtigen Botschafter für die Förderung von MINT-Fächern. Deshalb veranstalten wir gezielte Fachtage für Lehrkräfte, bei denen wir zukunftsorientierte Themen erörtern, um sie zu inspirieren und zu motivieren, ansprechende MINT-Unterrichtseinheiten zu entwickeln. Seit 2019 verleihen wir in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Chemie in unserer Zeit den Stöckhardt-Preis, um Lehrkräfte zu unterstützen und die experimentelle Chemieausbildung voranzubringen. Dieser mit 2000 € ausgezeichnete Preis würdigt herausragende Beiträge für den Chemieunterricht und fördert kreative, innovative Lehransätze. Bisher wurden folgende Lehrkräfte mit diesem Preis ausgezeichnet:
2019: Michael Linkwitz, Bensberg [(3)]
2020: Petra Wolthaus, Köln [(4)]
2021: Philipp Meyer, Wiesbaden [(5)]
2022: Carola Nieß, Bolanden [(6)]
2023: Wiebke Endres, Wilhelmshaven
2024: Antonia Wallbraun, Oldenburg [(7)]
2025: Marco Reinmold, Frankfurt [(8)]
Die innovativen, preisgekrönten Ideen der Preisträger wurden alle in Chemie in unserer Zeit veröffentlicht (siehe Referenzen).
Der Preis ist nach Julius Adolph Stöckhardt (1809–1886) benannt, einem bedeutenden deutschen Chemiker und Pädagogen, der für seine Beiträge zur Chemieausbildung und seine Bemühungen um praktische Schulungen für Lehrkräfte bekannt war. Sein Erbe ermutigt Lehrkräfte, experimentelle und interaktive Lehrmethoden in ihren Unterricht zu integrieren. Eines seiner erfolgreichsten Bücher ist „Schule der Chemie“, das in zahlreiche Sprachen übersetzt und in 21 Auflagen veröffentlicht wurde [(9)]. Darin präsentiert Stöckhardt die Grundlagen der Chemie durch einfache, praktische Experimente. Renommierte Chemiker wie Wilhelm Ostwald, Adolph von Baeyer und Emil Fischer sollen von diesem Buch so beeindruckt gewesen sein, dass es sie dazu inspirierte, sich der Chemie zu widmen.
Der Stöckhardt-Preisträger 2025, Marco Reinmold, ein Chemie- und Mathematiklehrer aus Frankfurt, erhielt den Julius Adolph Stöckhardt Preis für seine bemerkenswerten Beiträge zu „Rethinking the Squeaky Pop Test – A Novel Hydrogen Test for Chemistry Classes“ im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Goethe-Universität in Frankfurt unter Anleitung von Armin Lühken [(10)]. In seiner entwickelten Unterrichtseinheit verwendet er ein innovatives Katalysatorsystem aus Palladium und Zinkoxid, kombiniert mit einem Redoxfarbstoff, um Wasserstoff sicher und vor allem mit hoher Spezifität – im Gegensatz zur „Knallgasprobe“ – nachzuweisen.
Zuletzt zeigen erneut Ergebnisse einer Studie mit 10- bis 16-Jährigen [(11)], dass MINT-Fächer im Vergleich zu anderen Fächern als weniger beliebt wahrgenommen werden. Besonders die Chemie polarisiert dabei stark: Obwohl sich etwa 70 % der befragten Schülerinnen und Schüler als gut bis sehr gut in Chemie einschätzen, geben allerdings nur 29 % an, das Fach auch zu mögen. Zudem können sich lediglich 16 % vorstellen, einen Beruf zu ergreifen, in dem Chemie eine zentrale Rolle spielt.
Die Studie hebt hervor, dass es nicht vorrangig darum geht, die schulischen Leistungen zu verbessern, sondern vor allem langfristige Begeisterung für Chemie und MINT-Berufe zu fördern. Alle Bildungspartner sind gefordert, und als Unternehmen möchten wir hierzu auch einen Beitrag leisten.
Neben Initiativen, die sich direkt an Schülerinnen und Schüler richten, wollen wir auch weiterhin den Austausch mit Lehrkräften pflegen und rufen Chemie-Lehrkräfte landesweit dazu auf, sich für den Stöckhardt-Preis 2026 zu bewerben. Informationen [(12)] und Bewerbungen bis zum 31. Mai gerne unter: [email protected] oder an [email protected].
期刊介绍:
Chemie in unserer Zeit informiert zuverlässig über aktuelle Entwicklungen aus der Chemie und ihren Nachbardisziplinen. Der Leser erhält spannende Einblicke in alle Bereiche dieser zukunftsträchtigen Wissenschaft, dabei werden auch komplexe Sachverhalte verständlich aufbereitet.
Namhafte Experten bringen Neuentwicklungen von großer Tragweite näher - farbig illustriert und leserfreundlich präsentiert. Von wissenschaftlichen Übersichten, studienbegleitenden Materialien, nachvollziehbaren Experimenten bis hin zu brisanten Themen aus Umweltchemie und aktueller gesellschaftlicher Diskussion. Übersichtsartikel und abwechslungsreiche Rubriken vermitteln Fachwissen auf unterhaltsame Art und geben eine Hilfe bei der Orientierung im Fachgebiet.