I. Blitzlichter der Lymphologie

IF 5.5 4区 医学 Q1 DERMATOLOGY
{"title":"I. Blitzlichter der Lymphologie","authors":"","doi":"10.1111/ddg.15654_g","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"<p>Manuel Cornely<sup>1</sup>, Jean-Paul Belgrado<sup>2</sup>, Christian Ure<sup>3</sup>, Andreas Wittlinger<sup>4</sup>, Walter Grünwald<sup>3</sup>, Christine Hemmann-Moll<sup>5</sup>, Ljiljana Jelica<sup>6</sup>, Elisabeth Kleinpaul<sup>7</sup>, Cornelia Kügele<sup>3</sup>, Tanja Lenk-Killinger<sup>4</sup>, Katrin Männel-Emra<sup>8</sup>, Johannes Poppmeier<sup>3</sup>, Susan Schlums<sup>9</sup>, Bettina Sommer<sup>10</sup>, Eva-Maria Streicher<sup>11</sup>, Erich Brenner<sup>12</sup>, Zsombor Ocskay<sup>13, 14</sup>, László Bálint<sup>13</sup>, Carolin Christ<sup>13</sup>, Mark L. Kahn<sup>15</sup>, Zoltán Jakus<sup>13</sup>, Bernard Ho<sup>16</sup>, Walter Döller<sup>17</sup>, Chieh-Han John Tzou<sup>18, 19, 20</sup></p><p><sup>1</sup>LY.SEARCH gGmbH, Düsseldorf, Deutschland</p><p><sup>2</sup>Lymphology Research and Rehabilitation Unit, Université libre de Bruxelles, Brüssel, Belgien</p><p><sup>3</sup>Lymphklinik Wolfsberg im LKH Wolfsberg, Österreich</p><p><sup>4</sup>Wittlinger Therapiezentrum GmbH, Walchsee, Österreich</p><p><sup>5</sup>Bandagisten-Meisterin, Bad Rappenau, Deutschland</p><p><sup>6</sup>Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Mein Hanusch-Krankenhaus, Wien, Österreich</p><p><sup>7</sup>freiberufl. Heilmasseurin und Lymphtherapeutin, Wien, Österreich</p><p><sup>8</sup>Physiotherapiepraxis Männel-Emra, Neumarkt, Deutschland</p><p><sup>9</sup>Lymphgesundheitszentrum (LGZ) Ried im Innkreis, Österreich</p><p><sup>10</sup>MissNutri e.U., Wien, Österreich</p><p><sup>11</sup>Praxis für Physiotherapie, Lymphzentrum Großhadern, München, Deutschland</p><p><sup>12</sup>Institut für Klinisch-Funktionelle Anatomie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich</p><p><sup>13</sup>Department of Physiology, Semmelweis University, Faculty of Medicine, Budapest, Ungarn</p><p><sup>14</sup>Department of Vascular and Endovascular Surgery, Semmelweis University School of Medicine, Budapest, Ungarn</p><p><sup>15</sup>Cardiovascular Institute, Department of Medicine, Perelman School of Medicine, University of Pennsylvania, Philadelphia, Pennsylvania, PA, USA</p><p><sup>16</sup>St George's University Hospitals NHS Foundation Trust, London, UK</p><p><sup>17</sup>Wolfsberger Lymphklinik, LKH Wolfsberg, Wolfsberg, Österreich</p><p><sup>18</sup>Department für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Abteilung für Chirurgie, Krankenhaus Göttlicher Heiland, Wien, Österreich</p><p><sup>19</sup>Medizinische Fakultät, Sigmund Freud Universität Wien, Österreich</p><p><sup>20</sup>TZOU MEDICAL., Lymphzentrum Wien, Österreich</p><p>Die Eröffnung des 5. Internationalen Lymphologischen Symposiums vom 21.-23. November 2024 in Wien legt den Spot auf die aktuellen Erkenntnisse der Organisation der Ödeme im Gewebe, hier im Besonderen an den Beinen, die neusten Daten zur Alterung des Lymphgefäßsystems und die mögliche Beeinflussung dieser Prozesse, eingebettet in die evolutionären Entwicklungen der Lymphödembehandlung, die eine erhebliche höhere Aufmerksamkeit durch Selbsthilfegruppen erlangt haben. Gerade letzteres führt zu einer Optimierung der Therapien und höheren Awareness für die Lymphangiologie.</p><p>Vor dem ersten Vortragsblock werden in zwei Workshops von Jean-Paul Belgrado “ICG-gestützte Entscheidungen und Visualisierung von Lymphödemen” sowie das “Druckprofil unter verschiedenen Kompressionssystemen Darstellung in Echtzeit” demonstriert. Im dritten Workshop vor der ersten Session gibt Christian Ure und Andreas Wittlinger unter dem Titel “Physikalische (Selbst-) Therapie bei Ödempatientinnen und -patienten” Tipps und Tricks zu konservativen Behandlungen.</p><p>In ersten Vortragsblock wird der Fokus unmittelbar auf das Lymphgefäßsystem in seiner Anlage als Garant für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitsgleichgewichts und die Entwässerung der interstitiellen Flüssigkeit sowie des Abbaus der gebildeten Proteoglykane und Glukosamine gelegt. Erich Brenner erläutert dieses Meisterwerk der Natur explizit am Gefäßsystem der Beine. Er betont, dass das arterielle System die Zufuhr von Sauerstoff, Nährstoffen, Signalmolekülen und freien Zellen in das Gewebe leistet, während die venösen und lymphatischen Gefäße für die Beseitigung der “Abfallprodukte” und den Rücktransport aus dem Interstitium verantwortlich sind. “Alle Zellen im Körper schwimmen in einer sie umgebenden Flüssigkeit”. Diese interstitielle Flüssigkeit kann erst nach Eintritt in die initialen Lymphgefäße als Lymphe bezeichnet werden. Störungen dieses Transportes führen zu Ödemen und damit verbundenen Krankheitsbildern.</p><p>Solche Störungen können aber auch biologisch als altersabhängige Veränderungen entstehen. Auch das Lymphgefäßsystem altert. Die Folge ist die Beeinträchtigung des Immunsystems. Nach wie vor sind die molekularen Mechanismen dieser Altersveränderungen Gegenstand der Forschung. Zsombor Ocskay zeigt, dass das Vorhandensein der Lymphgefäße mit dem Alter abnimmt und erklärt dies exemplarisch an einer induzierten Detektion von CCB1E im Tierversuch. Möglicherweise öffnet sich hier ein Weg der therapeutischen Beeinflussung der Gesundheit des Lymphsystems durch Eingriff auf die Mechanismen, die durch CCB1E induziert werden.</p><p>Die erheblichen Fortschritte bei der Behandlung von Lymphödemen erläutert Bernard Ho. Er spannt den Bogen von den historischen Entwicklungen bis zu modernen therapeutischen Strategien. Natürlich spielen die Kompressionstechniken eine wesentliche Rolle, ein Quantensprung aber war die Einführung der manuellen Lymphdrainage in den 1930er Jahren und ihre systematische Verbreitung durch die Schulen von Johannes Asdonk. Die modernen chirurgischen Verfahren des 21. Jahrhunderts, die diagnostischen Entwicklungen bei der Klassifikation primärer Lymphödeme, die Entwicklung spezifischer bildgebender Verfahren und die genetischen Studien zeigen, dass eine futurische Charakteristik die dynamische Entwicklung der Lipödem- und Lymphödembehandlung kennzeichnet.</p><p>Den Fokus auf die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich legt Walter Döller. Er verortet die Lymphödemtherapie in das Umfeld der weltweiten wissenschaftlichen Entwicklung in der Lymphologie. Bedauerlicherweise wird die Lymphangiologie, also die Lehre der Lymphgefäße in der universitären Ausbildung vernachlässigt. Lymphologie wird am ehesten noch im Zusammenhang mit der Immunologie gelehrt und erforscht. Hinzu treten neben der Akademisierung der Therapeuten Betroffenen- und Selbsthilfegruppen, die im Schulterschluss zwischen Ärzten, Wissenschaftlern, Therapeuten und Patienten einen neuen Blick auf die konservative und chirurgische Therapie öffnen. Die großen Fortschritte in Diagnostik und Therapie des letzten Jahrhunderts werden ergänzt um das Engagement der Selbsthilfegruppen von Betroffenen, es fehlt jedoch weiterhin an wissenschaftlichen Studien (RCTs) im therapeutischen Bereich der Lymphologie.</p><p>Nummer: 1</p><p><b>Workshop: ICG-gestützte Entscheidungen und Visualisierung von Lymphödemen</b></p><p>Jean-Paul Belgrado</p><p>Lymphology Research and Rehabilitation Unit, Université libre de Bruxelles, Brüssel, Belgien</p><p>ORCID Nummer: 0000-0001-6774-1725</p><p>Das Lymphsystem ist für das menschliche Auge unsichtbar, da es transparent ist. Nach einer intradermalen Injektion von stark verdünntem ICG wird das oberflächliche Lymphsystem, das den injizierten Bereich entwässert, dank einer speziellen Infrarotkamera sichtbar.</p><p>Ziel des Workshops ist es, in Echtzeit an zwei Personen, eine mit und eine ohne Lymphödem, die typischen Schritte einer ICG-Lymphographie-Untersuchung zu zeigen. Anhand von Beobachtungen werden wir folgendes zeigen und diskutieren: die Diffusion des Farbstoffs von der Injektionsstelle, die Lymphprogression unter normalen und pathologischen Bedingungen, die Kontingenzen der Lymphangione und Lymphgefäßklappen sowie andere Merkmale des aktuellen Wissensstands der Lymphgefäßphysiologie und -pathologie.</p><p>Beeindrucken Sie Ihre Augen: In diesem Workshop werden Sie die oberflächlichen Lymphgefäße und den Lymphfluss in Echtzeit unter normalen und pathologischen Bedingungen sehen. Unsichtbare Lymphgefäße werden dank der Indocyaningrün (ICG) Lymphographie sichtbar. Sie kann bei der Diagnose von Lymphödemen und bei der Planung einer chirurgischen Therapie sowie bei der physikalischen Behandlung eingesetzt werden.</p><p>Nummer: 2</p><p><b>Workshop: Druckprofil unter verschiedenen Kompressionssystemen – Darstellung in Echtzeit</b></p><p>Jean-Paul Belgrado</p><p>Lymphology Research and Rehabilitation Unit, Université libre de Bruxelles, Brüssel, Belgien</p><p>ORCID Nummer: 0000-0001-6774-1725</p><p>Die heutige Technologie bietet zuverlässige Messinstrumente, die es uns ermöglichen, Druckprofile in Echtzeit auf Oberflächen mit ständig wechselnder Temperatur aufzuzeichnen.</p><p>Eine dieser Oberflächen kann das größte Organ des menschlichen Körpers sein, die Haut. Drucksensoren unter verschiedenen Kompressionssystemen, wie elastischen Kompressionsstrümpfen, Mehrkomponentenverbänden aus unterschiedlichen Materialien oder statischen und dynamischen Bandagen, werten Druckdaten in Echtzeit drahtlos aus und übermitteln sie. Diese Technologie ermöglicht die Analyse verschiedener Druckprofile in statischen und dynamischen Positionen, wie z.B. im Stehen, im Liegen oder bei Aktivitäten wie Gehen, Laufen, Radfahren, etc.</p><p>Die Messqualitäten dieser Instrumente werden bewertet und diskutiert, gefolgt von Live-Demonstrationen an freiwilligen Teilnehmern, deren Gliedmaßen unter verschiedenen statischen und dynamischen Drucksystemen analysiert werden. Spannende Echtzeitbeobachtungen von Druckprofilen während einfacher Aktivitäten wie Gehen, Laufen und Radfahren werden die Grundlage für den weiteren Dialog dieses Workshops bilden.</p><p>Nummer: 3</p><p><b>Workshop: Physikalische (Selbst-) Therapie bei Ödempatientinnen und -patienten</b></p><p>Christian Ure<sup>1</sup>, Andreas Wittlinger<sup>2</sup>, Christina Buder<sup>2</sup>, Walter Grünwald<sup>1</sup>, Christine Hemmann-Moll<sup>3</sup>, Ljiljana Jelica<sup>4</sup>, Elisabeth Kleinpaul<sup>5</sup>, Cornelia Kügele<sup>1</sup>, Tanja Lenk-Killinger<sup>2</sup>, Katrin Männel-Emra<sup>6</sup>, Johannes Poppmeier<sup>1</sup>, Susan Schlums<sup>7</sup>, Bettina Sommer<sup>8</sup>, Eva-Maria Streicher<sup>9</sup></p><p><sup>1</sup>Lymphklinik Wolfsberg im LKH Wolfsberg, Österreich</p><p><sup>2</sup>Wittlinger Therapiezentrum GmbH, Walchsee, Österreich</p><p><sup>3</sup>Bandagisten-Meisterin, Bad Rappenau, Deutschland</p><p><sup>4</sup>Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Mein Hanusch-Krankenhaus, Wien, Österreich</p><p><sup>5</sup>freiberufl. Heilmasseurin und Lymphtherapeutin, Wien, Österreich</p><p><sup>6</sup>Physiotherapiepraxis Männel-Emra, Neumarkt, Deutschland</p><p><sup>7</sup>Lymphgesundheitszentrum (LGZ) Ried im Innkreis, Österreich</p><p><sup>8</sup>MissNutri e.U., Wien, Österreich</p><p><sup>9</sup>Praxis für Physiotherapie, Lymphzentrum Großhadern, München, Deutschland</p><p>Im Rahmen dieses Workshops geben Fachexpertinnen und Fachexperten Einblick in die verschiedenen Therapiemöglichkeiten, die auch zum Teil von Betroffenen erlernt und im Sinne des Selbstmanagements selbständig weitergeführt werden können, wie Atemtechniken, Bandagierung, die Hautpflege, die Manuelle Lymphdrainage, intermittierende pneumatische Kompression,</p><p>Möglichkeiten bei der Kompressionsversorgung und andere.</p><p>Ein Schwerpunkt liegt auch auf komplizierten Versorgungssituationen bei Genital- und Kopflymphödemen.</p><p>So entwickeln viele Krebspatienten postoperativ, z. B. nach Unterleibs-Karzinom, nach Prostatakrebs aber auch nach Tumoren im Kopfbereich wie Mund/Kiefer-, oder HNO-Tumoren häufig komplizierte und nicht leicht zu versorgende Lymphödeme.</p><p>Auch die Strahlentherapie sowie Chemotherapie kann die Blockade des Lymphabflusses noch verstärken. Dadurch kann auch Jahre nach abgeschlossener Krebsbehandlung ein Lymphödem entstehen, beziehungsweise zunehmen.</p><p>Bei Tumoren im Kopf-/Halsbereich ist die Entfernung zahlreicher wichtiger Lymphabflusswege unumgänglich, in der Folge entstehen oft massive Lymphödeme im Gesichtsbereich, von denen auch Zunge und Mundschleimhaut betroffen sind. Verbesserungen konnten zwar durch neue Operationstechniken, einen effektiveren Umgang mit Rezidiven und strahlenbedingten Folgeschäden, sowie durch logopädisch rehabilitative Maßnahmen erreicht werden, eine adäquate lymphologische Versorgung ist aber weiterhin eine große Herausforderung.</p><p>Bei Unterleibskrebs unterscheidet man je nach Häufigkeit des Auftretens bei der Frau den Gebärmutterkrebs, den Eierstockkrebs, den Gebärmutterhalskrebs und den Krebs des äußeren Genitales. Das Prostatakarzinom ist in den westlichen Industrieländern die häufigste Krebserkrankung bei Männern.</p><p>Bei dieser Diagnose ist, abhängig vom Tumorstadium, eine Radikaloperation und eine radikale Entfernung der Lymphknoten des Beckens entlang der großen Beckengefäße notwendig. Dies und begleitende Strahlentherapie sowie Chemotherapie führt durch Blockade des Lymphabflusses zu einem Beinlymphödem (ca. 25% der Fälle), aber mitunter auch zu einem Genitallymphödem (Schamlippen, Schamhügel und beim Mann Penis, Vorhaut und Skrotum) und zu einem Lymphödem im angrenzenden unteren Rumpfquadranten. Auch in diesen Fällen ist eine adäquate lymphologische Versorgung eine große Herausforderung.</p><p>Durch das Lymphödem entsteht sowohl eine mechanische Behinderung am Bein als auch besonders durch das Genitallymphödem eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität und eine nicht zu unterschätzende psychische Belastung. Dazu kommt noch, dass durch den Lymphstau an den Beinen und am Genital die lokale Immunabwehr geschwächt ist und so eine Anfälligkeit für Entzündungen, besonders für Rotlauf (Erysipel) besteht. Jede Infektion aber verschlimmert unweigerlich das Lymphödem. Daher ist auch die Vermeidung von potenziellen Keim-Eintrittspforten eine zentrale Herausforderung bei der lymphologischen Betreuung dieser Patienten.</p><p>Der Workshop bietet durch praktische Demonstrationen natürlich auch viel Freiraum für Fragen und für einen regen Erfahrungsaustausch.</p><p>Nummer: 4</p><p><b>Ein Meisterwerk der Natur: Das Gefäß-System der Beine</b></p><p>Erich Brenner</p><p>Institut für Klinisch-Funktionelle Anatomie, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich</p><p>Die zentrale Funktion dieses Systems besteht darin, Sauerstoff, Nährstoffe, Signalmoleküle und „freie“ Zellen zu den Geweben zu bringen. Darüber hinaus spielt das System eine entscheidende Rolle bei der Beseitigung von „Abfallprodukten“ über die venösen und lymphatischen Wege. Während der Sauerstoff über die Erythrozyten transportiert wird, erleichtert das Plasma die Flüssigkeitszirkulation. Der Abfluss aus den Geweben wird über das Interstitium und die Lymphgefäße gesteuert.</p><p>Das Gefäßsystem ist ein dynamisches und anpassungsfähiges Netzwerk, das nicht starr ist, sondern sich ständig den physiologischen Anforderungen anpasst. Die Starling-Gleichung, ein entscheidendes Prinzip für den mikrovaskulären Flüssigkeitsaustausch, fasst diesen Austausch zwischen Kapillaren und Interstitium am besten zusammen. Sie erklärt, wie der hydrostatische Druck, der osmotische Druck der Kolloide und die Permeabilität der Gefäßwände die Flüssigkeitsbewegung zwischen Kapillaren und Geweben bestimmen.</p><p>Im Interstitium gibt es fast keine freie Flüssigkeit, sondern der größte Teil davon ist reversibel an gelbildende Proteoglykane und Glykosaminoglykane gebunden. Diese Substanzen variieren in ihrer Größe und können sich daher an die Flüssigkeitsmenge im Interstitium anpassen.</p><p>Das lymphatische System ist für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitsgleichgewichts von entscheidender Bedeutung und konzentriert sich auf die Drainage der interstitiellen Flüssigkeit und den Abbau von Gelbildnern. Es zeigt strukturelle Anpassungen wie Verankerungsfilamente und Klappen innerhalb der Lymphgefäße als wesentliche Mechanismen zur Erleichterung des zentripetalen Flüssigkeitstransports und zur Verhinderung des Rückflusses.</p><p>Die Entwicklung und Variation der arteriellen, venösen und lymphatischen Anatomie sind Ausdruck eines dynamischen und anpassungsfähigen Netzwerks.</p><p><b>Schlussfolgerung</b>: Die vaskulären Strukturen des Beins sind hoch effizient und anpassungsfähig. Sie sind für die Aufrechterhaltung der Homöostase und die Deckung des Stoffwechselbedarfs der Gewebe der unteren Extremitäten unerlässlich.</p><p>Nummer: 5</p><p><b>Altersbedingte Veränderungen im Lymphsystem</b></p><p>Zsombor Ocskay<sup>1, 3</sup>, László Bálint<sup>1</sup>, Carolin Christ<sup>1</sup>, Mark L. Kahn<sup>2</sup>, Zoltán Jakus<sup>1</sup></p><p><sup>1</sup>Department of Physiology, Semmelweis University School of Medicine, Budapest, Ungarn</p><p><sup>2</sup>Cardiovascular Institute, Department of Medicine, Perelman School of Medicine, University of Pennsylvania, Philadelphia, Pennsylvania, PA, USA</p><p><sup>3</sup>Department of Vascular and Endovascular Surgery, Semmelweis University School of Medicine, Budapest, Ungarn</p><p><b>Einleitung/Hintergrund</b>: Die allgemeinen Funktionen der Lymphgefäße, einschließlich des Flüssigkeitshaushalts und der Immunüberwachung, sind gut bekannt. Jüngste Studien deuten darauf hin, dass sich das Lymphgefäßsystem mit zunehmendem Alter allmählich zurückbildet, was zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems und einem erhöhten Risiko für altersbedingte Krankheiten beiträgt. Die molekularen Mechanismen, die an der Erhaltung organspezifischer lymphatischer Strukturen beteiligt sind, sind jedoch nach wie vor unklar. Hier wollen wir die jüngsten Erkenntnisse über die lymphatische Alterung in diesem Bereich zusammenfassen und unsere Ergebnisse über die mögliche Rolle von CCBE1 im Alterungsprozess der Lymphgefäße der Hirnhäute und anderer Organe vorstellen.</p><p><b>Material und Methoden</b>: Um die strukturellen Veränderungen der Lymphe im Alter zu charakterisieren, verwendeten wir lymphatische Endothelzellen-spezifische Immunfärbung sowohl in Wildtyp- als auch in CCBE1-Knockout-Mausstämmen.</p><p><b>Ergebnisse</b>: Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Vorhandensein von Lymphgefäßen mit dem Alter abnimmt. Darüber hinaus führt die induzierbare Deletion von CCBE1 zu einer ausgeprägten Regression der lymphatischen Strukturen, was darauf hindeutet, dass CCBE1 eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der lymphatischen Strukturen im Laufe der Zeit spielt.</p><p><b>Schlussfolgerung</b>: Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Alterung eine Rückbildung des lymphatischen Systems bewirkt. Unsere Studie unterstreicht die wesentliche Rolle von CCBE1-abhängigen Mechanismen bei der Verhinderung der altersbedingten Rückbildung der meningealen Lymphbahnen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die gezielte Beeinflussung von CCBE1 eine vielversprechende therapeutische Strategie sein könnte, um die Gesundheit des Lymphsystems zu erhalten und die altersbedingte Rückbildung der lymphatischen Strukturen der Hirnhaut zu verhindern.</p><p><b>Referenz</b>:</p><p>Ocskay et al. Biomed Pharmacother., 2024</p><p>Nummer: 6</p><p><b>Geschichte und Entwicklung der Lymphödem-Behandlung</b></p><p>Bernard Ho</p><p>St George's University Hospitals NHS Foundation Trust, London, UK</p><p>Die Behandlung von Lymphödemen hat sich erheblich weiterentwickelt und spiegelt die Fortschritte im medizinischen Verständnis und in der Technologie wider. Dieser Vortrag zeichnet die historische Entwicklung der Lymphödembehandlung von antiken Praktiken bis hin zu modernen therapeutischen Strategien nach. In der Vergangenheit wurden Kompressionstechniken bereits von den alten Ägyptern, Griechen und Römern zur Wundbehandlung und Genesung eingesetzt. Das 20. Jahrhundert brachte mit der Einführung der Manuellen Lymphdrainage (MLD) durch Emil und Estrid Vodder in den 1930er Jahren einen entscheidenden Fortschritt, der 1969 zur Gründung der ersten MLD-Schule in Deutschland durch Johannes Asdonk führte. Mit der Entwicklung der vollständigen Entstauungstherapie in den 1980er Jahren wurden die Behandlungsparadigmen weiterentwickelt.</p><p>Auch die chirurgischen Eingriffe haben sich von drastischen Maßnahmen wie der Amputation zu verfeinerten Techniken wie der Lymphovenösen Anastomose (LVA) und dem vaskularisierten Lymphknotentransfer (VLNT) entwickelt. Die diagnostischen Ansätze haben sich von der primären Klassifizierung des angeborenen Lymphödems hin zu ausgefeilten bildgebenden Verfahren und genetischen Studien entwickelt. Die Integration von künstlicher Intelligenz und neuartigen pharmakologischen Therapien verspricht, die diagnostische Präzision und die therapeutischen Ergebnisse zu verbessern. Dieser umfassende Überblick unterstreicht den dynamischen Charakter der Lymphödembehandlung und zeigt zukünftige Richtungen für Forschung und klinische Praxis auf.</p><p>Nummer: 7</p><p><b>Die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich</b></p><p>Walter Döller</p><p>Wolfsberger Lymphklinik, LKH Wolfsberg, Österreich</p><p><b>Einleitung/Hintergrund</b>: Die Behandlung von Lymphödemen ist in Österreich, wie in vielen europäischen Ländern, nicht so etabliert, wie sie sein sollte. Ziel dieses Artikels ist es, die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich in den letzten Jahrzehnten zu beleuchten.</p><p><b>Material und Methoden</b>: Um die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich besser zu verstehen, untersuchen wir zunächst das (soziale) Umfeld, die Entwicklung der Wissenschaft in der Lymphologie und die Fortschritte in der Diagnostik.</p><p><b>Ergebnisse</b>: Lymphologie, als Lehre vom Lymphsystem, wird an österreichischen Universitäten nur im Zusammenhang mit Immunorganen gelehrt und erforscht. Die Lymphangiologie, die Lehre von den Lymphgefäßen, wird in Ausbildung und Forschung oft übersehen. Nur wenige Wissenschaftler haben sich im letzten Jahrhundert mit dem Lymphödem beschäftigt, was dazu geführt hat, dass die Erkrankung zu wenig bekannt ist oder ignoriert wird.</p><p>Seit 1970 haben sich in Österreich Selbsthilfegruppen für Frauen nach Brustkrebs gebildet, die sich auf die Aufklärung und Beratung zum postoperativen Armlymphödem konzentrieren. Dieses verstärkte Bewusstsein führte 1993 zur Gründung der „Österreichischen Lymph-Liga“, einem Zusammenschluss von Ärzten, Wissenschaftlern, Therapeuten und Patienten. In dem nun veränderten gesellschaftlichen Umfeld des Lymphödems forderten alle Beteiligten eine Überprüfung und Anpassung der Versorgungssituation und der Bedürfnisse.</p><p>In den letzten 50 Jahren ist es in Österreich möglich geworden, die konservative Therapie zumindest im stationären Rehabilitationsbereich einzuführen. In den letzten 20 Jahren haben sich auch chirurgische, insbesondere mikrochirurgische Behandlungsmöglichkeiten etabliert.</p><p><b>Schlussfolgerung</b>: Die österreichische Ärzteschaft hat im letzten Jahrhundert große Fortschritte in Diagnostik und Therapie gemacht. Die Österreichische Lymph-Liga hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Behandlung des Lymphödems optimal entwickeln konnte, indem sie die betroffenen Patienten motivierte und das wissenschaftliche Interesse an der Lymphangiologie weckte. Dies hat zu einer breiten Wissensbasis in Bezug auf Diagnostik und Therapie geführt. Es besteht jedoch weiterhin Bedarf an Studien (RCTs) zur Optimierung und möglichen Weiterentwicklung der Therapie sowohl im konservativen als auch im chirurgischen Bereich.</p>","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"23 S1","pages":"4-8"},"PeriodicalIF":5.5000,"publicationDate":"2025-01-29","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ddg.15654_g","citationCount":"0","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","FirstCategoryId":"3","ListUrlMain":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ddg.15654_g","RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"Q1","JCRName":"DERMATOLOGY","Score":null,"Total":0}
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Abstract

Manuel Cornely1, Jean-Paul Belgrado2, Christian Ure3, Andreas Wittlinger4, Walter Grünwald3, Christine Hemmann-Moll5, Ljiljana Jelica6, Elisabeth Kleinpaul7, Cornelia Kügele3, Tanja Lenk-Killinger4, Katrin Männel-Emra8, Johannes Poppmeier3, Susan Schlums9, Bettina Sommer10, Eva-Maria Streicher11, Erich Brenner12, Zsombor Ocskay13, 14, László Bálint13, Carolin Christ13, Mark L. Kahn15, Zoltán Jakus13, Bernard Ho16, Walter Döller17, Chieh-Han John Tzou18, 19, 20

1LY.SEARCH gGmbH, Düsseldorf, Deutschland

2Lymphology Research and Rehabilitation Unit, Université libre de Bruxelles, Brüssel, Belgien

3Lymphklinik Wolfsberg im LKH Wolfsberg, Österreich

4Wittlinger Therapiezentrum GmbH, Walchsee, Österreich

5Bandagisten-Meisterin, Bad Rappenau, Deutschland

6Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Mein Hanusch-Krankenhaus, Wien, Österreich

7freiberufl. Heilmasseurin und Lymphtherapeutin, Wien, Österreich

8Physiotherapiepraxis Männel-Emra, Neumarkt, Deutschland

9Lymphgesundheitszentrum (LGZ) Ried im Innkreis, Österreich

10MissNutri e.U., Wien, Österreich

11Praxis für Physiotherapie, Lymphzentrum Großhadern, München, Deutschland

12Institut für Klinisch-Funktionelle Anatomie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

13Department of Physiology, Semmelweis University, Faculty of Medicine, Budapest, Ungarn

14Department of Vascular and Endovascular Surgery, Semmelweis University School of Medicine, Budapest, Ungarn

15Cardiovascular Institute, Department of Medicine, Perelman School of Medicine, University of Pennsylvania, Philadelphia, Pennsylvania, PA, USA

16St George's University Hospitals NHS Foundation Trust, London, UK

17Wolfsberger Lymphklinik, LKH Wolfsberg, Wolfsberg, Österreich

18Department für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Abteilung für Chirurgie, Krankenhaus Göttlicher Heiland, Wien, Österreich

19Medizinische Fakultät, Sigmund Freud Universität Wien, Österreich

20TZOU MEDICAL., Lymphzentrum Wien, Österreich

Die Eröffnung des 5. Internationalen Lymphologischen Symposiums vom 21.-23. November 2024 in Wien legt den Spot auf die aktuellen Erkenntnisse der Organisation der Ödeme im Gewebe, hier im Besonderen an den Beinen, die neusten Daten zur Alterung des Lymphgefäßsystems und die mögliche Beeinflussung dieser Prozesse, eingebettet in die evolutionären Entwicklungen der Lymphödembehandlung, die eine erhebliche höhere Aufmerksamkeit durch Selbsthilfegruppen erlangt haben. Gerade letzteres führt zu einer Optimierung der Therapien und höheren Awareness für die Lymphangiologie.

Vor dem ersten Vortragsblock werden in zwei Workshops von Jean-Paul Belgrado “ICG-gestützte Entscheidungen und Visualisierung von Lymphödemen” sowie das “Druckprofil unter verschiedenen Kompressionssystemen Darstellung in Echtzeit” demonstriert. Im dritten Workshop vor der ersten Session gibt Christian Ure und Andreas Wittlinger unter dem Titel “Physikalische (Selbst-) Therapie bei Ödempatientinnen und -patienten” Tipps und Tricks zu konservativen Behandlungen.

In ersten Vortragsblock wird der Fokus unmittelbar auf das Lymphgefäßsystem in seiner Anlage als Garant für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitsgleichgewichts und die Entwässerung der interstitiellen Flüssigkeit sowie des Abbaus der gebildeten Proteoglykane und Glukosamine gelegt. Erich Brenner erläutert dieses Meisterwerk der Natur explizit am Gefäßsystem der Beine. Er betont, dass das arterielle System die Zufuhr von Sauerstoff, Nährstoffen, Signalmolekülen und freien Zellen in das Gewebe leistet, während die venösen und lymphatischen Gefäße für die Beseitigung der “Abfallprodukte” und den Rücktransport aus dem Interstitium verantwortlich sind. “Alle Zellen im Körper schwimmen in einer sie umgebenden Flüssigkeit”. Diese interstitielle Flüssigkeit kann erst nach Eintritt in die initialen Lymphgefäße als Lymphe bezeichnet werden. Störungen dieses Transportes führen zu Ödemen und damit verbundenen Krankheitsbildern.

Solche Störungen können aber auch biologisch als altersabhängige Veränderungen entstehen. Auch das Lymphgefäßsystem altert. Die Folge ist die Beeinträchtigung des Immunsystems. Nach wie vor sind die molekularen Mechanismen dieser Altersveränderungen Gegenstand der Forschung. Zsombor Ocskay zeigt, dass das Vorhandensein der Lymphgefäße mit dem Alter abnimmt und erklärt dies exemplarisch an einer induzierten Detektion von CCB1E im Tierversuch. Möglicherweise öffnet sich hier ein Weg der therapeutischen Beeinflussung der Gesundheit des Lymphsystems durch Eingriff auf die Mechanismen, die durch CCB1E induziert werden.

Die erheblichen Fortschritte bei der Behandlung von Lymphödemen erläutert Bernard Ho. Er spannt den Bogen von den historischen Entwicklungen bis zu modernen therapeutischen Strategien. Natürlich spielen die Kompressionstechniken eine wesentliche Rolle, ein Quantensprung aber war die Einführung der manuellen Lymphdrainage in den 1930er Jahren und ihre systematische Verbreitung durch die Schulen von Johannes Asdonk. Die modernen chirurgischen Verfahren des 21. Jahrhunderts, die diagnostischen Entwicklungen bei der Klassifikation primärer Lymphödeme, die Entwicklung spezifischer bildgebender Verfahren und die genetischen Studien zeigen, dass eine futurische Charakteristik die dynamische Entwicklung der Lipödem- und Lymphödembehandlung kennzeichnet.

Den Fokus auf die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich legt Walter Döller. Er verortet die Lymphödemtherapie in das Umfeld der weltweiten wissenschaftlichen Entwicklung in der Lymphologie. Bedauerlicherweise wird die Lymphangiologie, also die Lehre der Lymphgefäße in der universitären Ausbildung vernachlässigt. Lymphologie wird am ehesten noch im Zusammenhang mit der Immunologie gelehrt und erforscht. Hinzu treten neben der Akademisierung der Therapeuten Betroffenen- und Selbsthilfegruppen, die im Schulterschluss zwischen Ärzten, Wissenschaftlern, Therapeuten und Patienten einen neuen Blick auf die konservative und chirurgische Therapie öffnen. Die großen Fortschritte in Diagnostik und Therapie des letzten Jahrhunderts werden ergänzt um das Engagement der Selbsthilfegruppen von Betroffenen, es fehlt jedoch weiterhin an wissenschaftlichen Studien (RCTs) im therapeutischen Bereich der Lymphologie.

Nummer: 1

Workshop: ICG-gestützte Entscheidungen und Visualisierung von Lymphödemen

Jean-Paul Belgrado

Lymphology Research and Rehabilitation Unit, Université libre de Bruxelles, Brüssel, Belgien

ORCID Nummer: 0000-0001-6774-1725

Das Lymphsystem ist für das menschliche Auge unsichtbar, da es transparent ist. Nach einer intradermalen Injektion von stark verdünntem ICG wird das oberflächliche Lymphsystem, das den injizierten Bereich entwässert, dank einer speziellen Infrarotkamera sichtbar.

Ziel des Workshops ist es, in Echtzeit an zwei Personen, eine mit und eine ohne Lymphödem, die typischen Schritte einer ICG-Lymphographie-Untersuchung zu zeigen. Anhand von Beobachtungen werden wir folgendes zeigen und diskutieren: die Diffusion des Farbstoffs von der Injektionsstelle, die Lymphprogression unter normalen und pathologischen Bedingungen, die Kontingenzen der Lymphangione und Lymphgefäßklappen sowie andere Merkmale des aktuellen Wissensstands der Lymphgefäßphysiologie und -pathologie.

Beeindrucken Sie Ihre Augen: In diesem Workshop werden Sie die oberflächlichen Lymphgefäße und den Lymphfluss in Echtzeit unter normalen und pathologischen Bedingungen sehen. Unsichtbare Lymphgefäße werden dank der Indocyaningrün (ICG) Lymphographie sichtbar. Sie kann bei der Diagnose von Lymphödemen und bei der Planung einer chirurgischen Therapie sowie bei der physikalischen Behandlung eingesetzt werden.

Nummer: 2

Workshop: Druckprofil unter verschiedenen Kompressionssystemen – Darstellung in Echtzeit

Jean-Paul Belgrado

Lymphology Research and Rehabilitation Unit, Université libre de Bruxelles, Brüssel, Belgien

ORCID Nummer: 0000-0001-6774-1725

Die heutige Technologie bietet zuverlässige Messinstrumente, die es uns ermöglichen, Druckprofile in Echtzeit auf Oberflächen mit ständig wechselnder Temperatur aufzuzeichnen.

Eine dieser Oberflächen kann das größte Organ des menschlichen Körpers sein, die Haut. Drucksensoren unter verschiedenen Kompressionssystemen, wie elastischen Kompressionsstrümpfen, Mehrkomponentenverbänden aus unterschiedlichen Materialien oder statischen und dynamischen Bandagen, werten Druckdaten in Echtzeit drahtlos aus und übermitteln sie. Diese Technologie ermöglicht die Analyse verschiedener Druckprofile in statischen und dynamischen Positionen, wie z.B. im Stehen, im Liegen oder bei Aktivitäten wie Gehen, Laufen, Radfahren, etc.

Die Messqualitäten dieser Instrumente werden bewertet und diskutiert, gefolgt von Live-Demonstrationen an freiwilligen Teilnehmern, deren Gliedmaßen unter verschiedenen statischen und dynamischen Drucksystemen analysiert werden. Spannende Echtzeitbeobachtungen von Druckprofilen während einfacher Aktivitäten wie Gehen, Laufen und Radfahren werden die Grundlage für den weiteren Dialog dieses Workshops bilden.

Nummer: 3

Workshop: Physikalische (Selbst-) Therapie bei Ödempatientinnen und -patienten

Christian Ure1, Andreas Wittlinger2, Christina Buder2, Walter Grünwald1, Christine Hemmann-Moll3, Ljiljana Jelica4, Elisabeth Kleinpaul5, Cornelia Kügele1, Tanja Lenk-Killinger2, Katrin Männel-Emra6, Johannes Poppmeier1, Susan Schlums7, Bettina Sommer8, Eva-Maria Streicher9

1Lymphklinik Wolfsberg im LKH Wolfsberg, Österreich

2Wittlinger Therapiezentrum GmbH, Walchsee, Österreich

3Bandagisten-Meisterin, Bad Rappenau, Deutschland

4Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Mein Hanusch-Krankenhaus, Wien, Österreich

5freiberufl. Heilmasseurin und Lymphtherapeutin, Wien, Österreich

6Physiotherapiepraxis Männel-Emra, Neumarkt, Deutschland

7Lymphgesundheitszentrum (LGZ) Ried im Innkreis, Österreich

8MissNutri e.U., Wien, Österreich

9Praxis für Physiotherapie, Lymphzentrum Großhadern, München, Deutschland

Im Rahmen dieses Workshops geben Fachexpertinnen und Fachexperten Einblick in die verschiedenen Therapiemöglichkeiten, die auch zum Teil von Betroffenen erlernt und im Sinne des Selbstmanagements selbständig weitergeführt werden können, wie Atemtechniken, Bandagierung, die Hautpflege, die Manuelle Lymphdrainage, intermittierende pneumatische Kompression,

Möglichkeiten bei der Kompressionsversorgung und andere.

Ein Schwerpunkt liegt auch auf komplizierten Versorgungssituationen bei Genital- und Kopflymphödemen.

So entwickeln viele Krebspatienten postoperativ, z. B. nach Unterleibs-Karzinom, nach Prostatakrebs aber auch nach Tumoren im Kopfbereich wie Mund/Kiefer-, oder HNO-Tumoren häufig komplizierte und nicht leicht zu versorgende Lymphödeme.

Auch die Strahlentherapie sowie Chemotherapie kann die Blockade des Lymphabflusses noch verstärken. Dadurch kann auch Jahre nach abgeschlossener Krebsbehandlung ein Lymphödem entstehen, beziehungsweise zunehmen.

Bei Tumoren im Kopf-/Halsbereich ist die Entfernung zahlreicher wichtiger Lymphabflusswege unumgänglich, in der Folge entstehen oft massive Lymphödeme im Gesichtsbereich, von denen auch Zunge und Mundschleimhaut betroffen sind. Verbesserungen konnten zwar durch neue Operationstechniken, einen effektiveren Umgang mit Rezidiven und strahlenbedingten Folgeschäden, sowie durch logopädisch rehabilitative Maßnahmen erreicht werden, eine adäquate lymphologische Versorgung ist aber weiterhin eine große Herausforderung.

Bei Unterleibskrebs unterscheidet man je nach Häufigkeit des Auftretens bei der Frau den Gebärmutterkrebs, den Eierstockkrebs, den Gebärmutterhalskrebs und den Krebs des äußeren Genitales. Das Prostatakarzinom ist in den westlichen Industrieländern die häufigste Krebserkrankung bei Männern.

Bei dieser Diagnose ist, abhängig vom Tumorstadium, eine Radikaloperation und eine radikale Entfernung der Lymphknoten des Beckens entlang der großen Beckengefäße notwendig. Dies und begleitende Strahlentherapie sowie Chemotherapie führt durch Blockade des Lymphabflusses zu einem Beinlymphödem (ca. 25% der Fälle), aber mitunter auch zu einem Genitallymphödem (Schamlippen, Schamhügel und beim Mann Penis, Vorhaut und Skrotum) und zu einem Lymphödem im angrenzenden unteren Rumpfquadranten. Auch in diesen Fällen ist eine adäquate lymphologische Versorgung eine große Herausforderung.

Durch das Lymphödem entsteht sowohl eine mechanische Behinderung am Bein als auch besonders durch das Genitallymphödem eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität und eine nicht zu unterschätzende psychische Belastung. Dazu kommt noch, dass durch den Lymphstau an den Beinen und am Genital die lokale Immunabwehr geschwächt ist und so eine Anfälligkeit für Entzündungen, besonders für Rotlauf (Erysipel) besteht. Jede Infektion aber verschlimmert unweigerlich das Lymphödem. Daher ist auch die Vermeidung von potenziellen Keim-Eintrittspforten eine zentrale Herausforderung bei der lymphologischen Betreuung dieser Patienten.

Der Workshop bietet durch praktische Demonstrationen natürlich auch viel Freiraum für Fragen und für einen regen Erfahrungsaustausch.

Nummer: 4

Ein Meisterwerk der Natur: Das Gefäß-System der Beine

Erich Brenner

Institut für Klinisch-Funktionelle Anatomie, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich

Die zentrale Funktion dieses Systems besteht darin, Sauerstoff, Nährstoffe, Signalmoleküle und „freie“ Zellen zu den Geweben zu bringen. Darüber hinaus spielt das System eine entscheidende Rolle bei der Beseitigung von „Abfallprodukten“ über die venösen und lymphatischen Wege. Während der Sauerstoff über die Erythrozyten transportiert wird, erleichtert das Plasma die Flüssigkeitszirkulation. Der Abfluss aus den Geweben wird über das Interstitium und die Lymphgefäße gesteuert.

Das Gefäßsystem ist ein dynamisches und anpassungsfähiges Netzwerk, das nicht starr ist, sondern sich ständig den physiologischen Anforderungen anpasst. Die Starling-Gleichung, ein entscheidendes Prinzip für den mikrovaskulären Flüssigkeitsaustausch, fasst diesen Austausch zwischen Kapillaren und Interstitium am besten zusammen. Sie erklärt, wie der hydrostatische Druck, der osmotische Druck der Kolloide und die Permeabilität der Gefäßwände die Flüssigkeitsbewegung zwischen Kapillaren und Geweben bestimmen.

Im Interstitium gibt es fast keine freie Flüssigkeit, sondern der größte Teil davon ist reversibel an gelbildende Proteoglykane und Glykosaminoglykane gebunden. Diese Substanzen variieren in ihrer Größe und können sich daher an die Flüssigkeitsmenge im Interstitium anpassen.

Das lymphatische System ist für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitsgleichgewichts von entscheidender Bedeutung und konzentriert sich auf die Drainage der interstitiellen Flüssigkeit und den Abbau von Gelbildnern. Es zeigt strukturelle Anpassungen wie Verankerungsfilamente und Klappen innerhalb der Lymphgefäße als wesentliche Mechanismen zur Erleichterung des zentripetalen Flüssigkeitstransports und zur Verhinderung des Rückflusses.

Die Entwicklung und Variation der arteriellen, venösen und lymphatischen Anatomie sind Ausdruck eines dynamischen und anpassungsfähigen Netzwerks.

Schlussfolgerung: Die vaskulären Strukturen des Beins sind hoch effizient und anpassungsfähig. Sie sind für die Aufrechterhaltung der Homöostase und die Deckung des Stoffwechselbedarfs der Gewebe der unteren Extremitäten unerlässlich.

Nummer: 5

Altersbedingte Veränderungen im Lymphsystem

Zsombor Ocskay1, 3, László Bálint1, Carolin Christ1, Mark L. Kahn2, Zoltán Jakus1

1Department of Physiology, Semmelweis University School of Medicine, Budapest, Ungarn

2Cardiovascular Institute, Department of Medicine, Perelman School of Medicine, University of Pennsylvania, Philadelphia, Pennsylvania, PA, USA

3Department of Vascular and Endovascular Surgery, Semmelweis University School of Medicine, Budapest, Ungarn

Einleitung/Hintergrund: Die allgemeinen Funktionen der Lymphgefäße, einschließlich des Flüssigkeitshaushalts und der Immunüberwachung, sind gut bekannt. Jüngste Studien deuten darauf hin, dass sich das Lymphgefäßsystem mit zunehmendem Alter allmählich zurückbildet, was zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems und einem erhöhten Risiko für altersbedingte Krankheiten beiträgt. Die molekularen Mechanismen, die an der Erhaltung organspezifischer lymphatischer Strukturen beteiligt sind, sind jedoch nach wie vor unklar. Hier wollen wir die jüngsten Erkenntnisse über die lymphatische Alterung in diesem Bereich zusammenfassen und unsere Ergebnisse über die mögliche Rolle von CCBE1 im Alterungsprozess der Lymphgefäße der Hirnhäute und anderer Organe vorstellen.

Material und Methoden: Um die strukturellen Veränderungen der Lymphe im Alter zu charakterisieren, verwendeten wir lymphatische Endothelzellen-spezifische Immunfärbung sowohl in Wildtyp- als auch in CCBE1-Knockout-Mausstämmen.

Ergebnisse: Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Vorhandensein von Lymphgefäßen mit dem Alter abnimmt. Darüber hinaus führt die induzierbare Deletion von CCBE1 zu einer ausgeprägten Regression der lymphatischen Strukturen, was darauf hindeutet, dass CCBE1 eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der lymphatischen Strukturen im Laufe der Zeit spielt.

Schlussfolgerung: Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Alterung eine Rückbildung des lymphatischen Systems bewirkt. Unsere Studie unterstreicht die wesentliche Rolle von CCBE1-abhängigen Mechanismen bei der Verhinderung der altersbedingten Rückbildung der meningealen Lymphbahnen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die gezielte Beeinflussung von CCBE1 eine vielversprechende therapeutische Strategie sein könnte, um die Gesundheit des Lymphsystems zu erhalten und die altersbedingte Rückbildung der lymphatischen Strukturen der Hirnhaut zu verhindern.

Referenz:

Ocskay et al. Biomed Pharmacother., 2024

Nummer: 6

Geschichte und Entwicklung der Lymphödem-Behandlung

Bernard Ho

St George's University Hospitals NHS Foundation Trust, London, UK

Die Behandlung von Lymphödemen hat sich erheblich weiterentwickelt und spiegelt die Fortschritte im medizinischen Verständnis und in der Technologie wider. Dieser Vortrag zeichnet die historische Entwicklung der Lymphödembehandlung von antiken Praktiken bis hin zu modernen therapeutischen Strategien nach. In der Vergangenheit wurden Kompressionstechniken bereits von den alten Ägyptern, Griechen und Römern zur Wundbehandlung und Genesung eingesetzt. Das 20. Jahrhundert brachte mit der Einführung der Manuellen Lymphdrainage (MLD) durch Emil und Estrid Vodder in den 1930er Jahren einen entscheidenden Fortschritt, der 1969 zur Gründung der ersten MLD-Schule in Deutschland durch Johannes Asdonk führte. Mit der Entwicklung der vollständigen Entstauungstherapie in den 1980er Jahren wurden die Behandlungsparadigmen weiterentwickelt.

Auch die chirurgischen Eingriffe haben sich von drastischen Maßnahmen wie der Amputation zu verfeinerten Techniken wie der Lymphovenösen Anastomose (LVA) und dem vaskularisierten Lymphknotentransfer (VLNT) entwickelt. Die diagnostischen Ansätze haben sich von der primären Klassifizierung des angeborenen Lymphödems hin zu ausgefeilten bildgebenden Verfahren und genetischen Studien entwickelt. Die Integration von künstlicher Intelligenz und neuartigen pharmakologischen Therapien verspricht, die diagnostische Präzision und die therapeutischen Ergebnisse zu verbessern. Dieser umfassende Überblick unterstreicht den dynamischen Charakter der Lymphödembehandlung und zeigt zukünftige Richtungen für Forschung und klinische Praxis auf.

Nummer: 7

Die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich

Walter Döller

Wolfsberger Lymphklinik, LKH Wolfsberg, Österreich

Einleitung/Hintergrund: Die Behandlung von Lymphödemen ist in Österreich, wie in vielen europäischen Ländern, nicht so etabliert, wie sie sein sollte. Ziel dieses Artikels ist es, die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich in den letzten Jahrzehnten zu beleuchten.

Material und Methoden: Um die Entwicklung der Lymphödemtherapie in Österreich besser zu verstehen, untersuchen wir zunächst das (soziale) Umfeld, die Entwicklung der Wissenschaft in der Lymphologie und die Fortschritte in der Diagnostik.

Ergebnisse: Lymphologie, als Lehre vom Lymphsystem, wird an österreichischen Universitäten nur im Zusammenhang mit Immunorganen gelehrt und erforscht. Die Lymphangiologie, die Lehre von den Lymphgefäßen, wird in Ausbildung und Forschung oft übersehen. Nur wenige Wissenschaftler haben sich im letzten Jahrhundert mit dem Lymphödem beschäftigt, was dazu geführt hat, dass die Erkrankung zu wenig bekannt ist oder ignoriert wird.

Seit 1970 haben sich in Österreich Selbsthilfegruppen für Frauen nach Brustkrebs gebildet, die sich auf die Aufklärung und Beratung zum postoperativen Armlymphödem konzentrieren. Dieses verstärkte Bewusstsein führte 1993 zur Gründung der „Österreichischen Lymph-Liga“, einem Zusammenschluss von Ärzten, Wissenschaftlern, Therapeuten und Patienten. In dem nun veränderten gesellschaftlichen Umfeld des Lymphödems forderten alle Beteiligten eine Überprüfung und Anpassung der Versorgungssituation und der Bedürfnisse.

In den letzten 50 Jahren ist es in Österreich möglich geworden, die konservative Therapie zumindest im stationären Rehabilitationsbereich einzuführen. In den letzten 20 Jahren haben sich auch chirurgische, insbesondere mikrochirurgische Behandlungsmöglichkeiten etabliert.

Schlussfolgerung: Die österreichische Ärzteschaft hat im letzten Jahrhundert große Fortschritte in Diagnostik und Therapie gemacht. Die Österreichische Lymph-Liga hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Behandlung des Lymphödems optimal entwickeln konnte, indem sie die betroffenen Patienten motivierte und das wissenschaftliche Interesse an der Lymphangiologie weckte. Dies hat zu einer breiten Wissensbasis in Bezug auf Diagnostik und Therapie geführt. Es besteht jedoch weiterhin Bedarf an Studien (RCTs) zur Optimierung und möglichen Weiterentwicklung der Therapie sowohl im konservativen als auch im chirurgischen Bereich.

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期刊介绍: The JDDG publishes scientific papers from a wide range of disciplines, such as dermatovenereology, allergology, phlebology, dermatosurgery, dermatooncology, and dermatohistopathology. Also in JDDG: information on medical training, continuing education, a calendar of events, book reviews and society announcements. Papers can be submitted in German or English language. In the print version, all articles are published in German. In the online version, all key articles are published in English.
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