{"title":"Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in Zeiten der Pandemie – wurden alle Herausforderungen gemeistert?","authors":"Josef Richter","doi":"10.1007/s11943-024-00348-y","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"<p>Die Corona-Pandemie hat die amtliche Statistik und insbesondere die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen vor gewaltige Aufgaben gestellt. Es galt neue, vorher nie beobachtete Phänomene in das System zu integrieren und es musste mit fehlenden und geänderten Datengrundlagen operiert werden. Gleichzeitig waren unter erschwerten Bedingungen die legitimen Informationsbedürfnisse der Allgemeinheit und der Entscheidungsträger zu befriedigen. Zudem wurden auch grundlegende Konzeptfragen, die üblicherweise vernachlässigt werden können, virulent. So war die Frage zu beantworten, ob es Preise geben kann, wenn keine Transaktionen stattfinden und es galt sich darüber klar zu werden, welcher Produktionsbegriff eigentlich operationalisiert werden soll.</p><p>Im System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ist sowohl ein technischer Produktionsbegriff als auch ein ökonomischer Produktionsbegriff präsent, wie an Hand ausgewählter Bestimmungen näher gezeigt wird. Unter Normalbedingungen werden sich bei beiden Ansätzen ähnliche Ergebnisse ergeben. Wie in dem Beitrag illustriert wird, können unter den besonderen Umständen der Pandemie freilich größere Unterschiede resultieren.</p><p>Unter dem Druck der Ereignisse wurde in der Pandemie ein sehr pragmatisches Vorgehen gewählt und die Nichtbefassung mit zentralen Konzeptfragen auch damit entschuldigt, dass die Auswirkungen auf die großen Aggregate gering sind. Für die Erfüllung der Aufgabe des Monitoring und für die dominierenden operationalen Funktionen der Daten trifft dies sicher zu. Die Gesamtrechnungen haben aber auch eine wichtige Rolle als empirische Grundlage der Wirtschaftsforschung zu spielen. In diesem Zusammenhang hätten die Konzeptfragen mehr Aufmerksamkeit verdient. Ungenügend wurde auch die Herausforderung bewältigt, die Nutzer adäquat zu informieren. In der Präsentation der Ergebnisse wurden die durch die spezifisch Situation bedingten unterschiedlichen Charakteristika der Resultate für die Pandemieperioden meist ausgeblendet.</p>","PeriodicalId":100134,"journal":{"name":"AStA Wirtschafts- und Sozialstatistisches Archiv","volume":"18 3-4","pages":"305 - 318"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2024-09-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11943-024-00348-y.pdf","citationCount":"0","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"AStA Wirtschafts- und Sozialstatistisches Archiv","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://link.springer.com/article/10.1007/s11943-024-00348-y","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
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Abstract
Die Corona-Pandemie hat die amtliche Statistik und insbesondere die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen vor gewaltige Aufgaben gestellt. Es galt neue, vorher nie beobachtete Phänomene in das System zu integrieren und es musste mit fehlenden und geänderten Datengrundlagen operiert werden. Gleichzeitig waren unter erschwerten Bedingungen die legitimen Informationsbedürfnisse der Allgemeinheit und der Entscheidungsträger zu befriedigen. Zudem wurden auch grundlegende Konzeptfragen, die üblicherweise vernachlässigt werden können, virulent. So war die Frage zu beantworten, ob es Preise geben kann, wenn keine Transaktionen stattfinden und es galt sich darüber klar zu werden, welcher Produktionsbegriff eigentlich operationalisiert werden soll.
Im System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ist sowohl ein technischer Produktionsbegriff als auch ein ökonomischer Produktionsbegriff präsent, wie an Hand ausgewählter Bestimmungen näher gezeigt wird. Unter Normalbedingungen werden sich bei beiden Ansätzen ähnliche Ergebnisse ergeben. Wie in dem Beitrag illustriert wird, können unter den besonderen Umständen der Pandemie freilich größere Unterschiede resultieren.
Unter dem Druck der Ereignisse wurde in der Pandemie ein sehr pragmatisches Vorgehen gewählt und die Nichtbefassung mit zentralen Konzeptfragen auch damit entschuldigt, dass die Auswirkungen auf die großen Aggregate gering sind. Für die Erfüllung der Aufgabe des Monitoring und für die dominierenden operationalen Funktionen der Daten trifft dies sicher zu. Die Gesamtrechnungen haben aber auch eine wichtige Rolle als empirische Grundlage der Wirtschaftsforschung zu spielen. In diesem Zusammenhang hätten die Konzeptfragen mehr Aufmerksamkeit verdient. Ungenügend wurde auch die Herausforderung bewältigt, die Nutzer adäquat zu informieren. In der Präsentation der Ergebnisse wurden die durch die spezifisch Situation bedingten unterschiedlichen Charakteristika der Resultate für die Pandemieperioden meist ausgeblendet.