{"title":"既不是革命也不是议会民主:德国建筑独特的动态平衡","authors":"Maria Stavrinaki","doi":"10.14361/9783839402511-010","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"Adolf Behnes Der moderne Zweckbau ist eine der wichtigsten Schriften zum Verständnis der künstlerischen Debatten der 1920er Jahre. In der Tat handelt es sich um das erste Buch über die »internationale Architektur«, das jedoch in seiner Bedeutung – wie die meisten Diskussionen dieses Textes hervorheben – zu unrecht von dem 1925 erschienenen Werk Walter Gropius’ entwertet worden ist. Dagegen sieht die folgende Lektüre den Text Behnes als ein Dokument des Übergangs: in ihm ist das bruchlose Gleiten des Expressionismus und seiner revolutionären Intentionen in den Rationalismus und Elementarismus der 1920er Jahre zu beobachten, die eng mit dem Taylorismus und der sozialdemokratischen Versöhnung der Klassengesellschaft verbunden sind. Während die expressionistische Kunstreligion aus dem Gesamtkunstwerk einen Ort des Kults machte, identifiziert sich die »Religion« der konstruktivistischen Kunst mit dem sozialdemokratischen Kult der Arbeit. Darüber hinaus verändert diese Schrift auch die traditionelle Wahrnehmung des internationalen Charakters der architektonischen Moderne. Es ist ihr Begriff des »Raums«, der eine Nationalisierung der Architektur befördert: Indem der »statische« Raum der Architektur von Le Corbusier als angemessene Form des französischen Parlamentarismus angesehen wird, und der gespannte, zu dynamische Raum der Architektur des russischen Formalismus als Ausdruck der proletarischen Diktatur, weist Behne Deutschland die Aufgabe zu, eine ideale politische Ordnung Europas und einen dieser entsprechenden architektonischen Raum zu schaffen. Zwischen versteinertem Parlamentarismus und Revolution sollte Deutschland politisch die Synthese von Demokratie und Korporatismus bilden: Deren architektonische Entsprechung wäre die Synthese von rationeller und dynamischer Form.","PeriodicalId":187307,"journal":{"name":"Raum - Dynamik / dynamique de l'espace","volume":"1 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2004-01-31","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"0","resultStr":"{\"title\":\"Ni révolution ni démocratie parlementaire: le singulier équilibre dynamique de l’architecture allemande\",\"authors\":\"Maria Stavrinaki\",\"doi\":\"10.14361/9783839402511-010\",\"DOIUrl\":null,\"url\":null,\"abstract\":\"Adolf Behnes Der moderne Zweckbau ist eine der wichtigsten Schriften zum Verständnis der künstlerischen Debatten der 1920er Jahre. In der Tat handelt es sich um das erste Buch über die »internationale Architektur«, das jedoch in seiner Bedeutung – wie die meisten Diskussionen dieses Textes hervorheben – zu unrecht von dem 1925 erschienenen Werk Walter Gropius’ entwertet worden ist. Dagegen sieht die folgende Lektüre den Text Behnes als ein Dokument des Übergangs: in ihm ist das bruchlose Gleiten des Expressionismus und seiner revolutionären Intentionen in den Rationalismus und Elementarismus der 1920er Jahre zu beobachten, die eng mit dem Taylorismus und der sozialdemokratischen Versöhnung der Klassengesellschaft verbunden sind. Während die expressionistische Kunstreligion aus dem Gesamtkunstwerk einen Ort des Kults machte, identifiziert sich die »Religion« der konstruktivistischen Kunst mit dem sozialdemokratischen Kult der Arbeit. Darüber hinaus verändert diese Schrift auch die traditionelle Wahrnehmung des internationalen Charakters der architektonischen Moderne. Es ist ihr Begriff des »Raums«, der eine Nationalisierung der Architektur befördert: Indem der »statische« Raum der Architektur von Le Corbusier als angemessene Form des französischen Parlamentarismus angesehen wird, und der gespannte, zu dynamische Raum der Architektur des russischen Formalismus als Ausdruck der proletarischen Diktatur, weist Behne Deutschland die Aufgabe zu, eine ideale politische Ordnung Europas und einen dieser entsprechenden architektonischen Raum zu schaffen. Zwischen versteinertem Parlamentarismus und Revolution sollte Deutschland politisch die Synthese von Demokratie und Korporatismus bilden: Deren architektonische Entsprechung wäre die Synthese von rationeller und dynamischer Form.\",\"PeriodicalId\":187307,\"journal\":{\"name\":\"Raum - Dynamik / dynamique de l'espace\",\"volume\":\"1 1\",\"pages\":\"0\"},\"PeriodicalIF\":0.0000,\"publicationDate\":\"2004-01-31\",\"publicationTypes\":\"Journal Article\",\"fieldsOfStudy\":null,\"isOpenAccess\":false,\"openAccessPdf\":\"\",\"citationCount\":\"0\",\"resultStr\":null,\"platform\":\"Semanticscholar\",\"paperid\":null,\"PeriodicalName\":\"Raum - Dynamik / dynamique de l'espace\",\"FirstCategoryId\":\"1085\",\"ListUrlMain\":\"https://doi.org/10.14361/9783839402511-010\",\"RegionNum\":0,\"RegionCategory\":null,\"ArticlePicture\":[],\"TitleCN\":null,\"AbstractTextCN\":null,\"PMCID\":null,\"EPubDate\":\"\",\"PubModel\":\"\",\"JCR\":\"\",\"JCRName\":\"\",\"Score\":null,\"Total\":0}","platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Raum - Dynamik / dynamique de l'espace","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://doi.org/10.14361/9783839402511-010","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
Ni révolution ni démocratie parlementaire: le singulier équilibre dynamique de l’architecture allemande
Adolf Behnes Der moderne Zweckbau ist eine der wichtigsten Schriften zum Verständnis der künstlerischen Debatten der 1920er Jahre. In der Tat handelt es sich um das erste Buch über die »internationale Architektur«, das jedoch in seiner Bedeutung – wie die meisten Diskussionen dieses Textes hervorheben – zu unrecht von dem 1925 erschienenen Werk Walter Gropius’ entwertet worden ist. Dagegen sieht die folgende Lektüre den Text Behnes als ein Dokument des Übergangs: in ihm ist das bruchlose Gleiten des Expressionismus und seiner revolutionären Intentionen in den Rationalismus und Elementarismus der 1920er Jahre zu beobachten, die eng mit dem Taylorismus und der sozialdemokratischen Versöhnung der Klassengesellschaft verbunden sind. Während die expressionistische Kunstreligion aus dem Gesamtkunstwerk einen Ort des Kults machte, identifiziert sich die »Religion« der konstruktivistischen Kunst mit dem sozialdemokratischen Kult der Arbeit. Darüber hinaus verändert diese Schrift auch die traditionelle Wahrnehmung des internationalen Charakters der architektonischen Moderne. Es ist ihr Begriff des »Raums«, der eine Nationalisierung der Architektur befördert: Indem der »statische« Raum der Architektur von Le Corbusier als angemessene Form des französischen Parlamentarismus angesehen wird, und der gespannte, zu dynamische Raum der Architektur des russischen Formalismus als Ausdruck der proletarischen Diktatur, weist Behne Deutschland die Aufgabe zu, eine ideale politische Ordnung Europas und einen dieser entsprechenden architektonischen Raum zu schaffen. Zwischen versteinertem Parlamentarismus und Revolution sollte Deutschland politisch die Synthese von Demokratie und Korporatismus bilden: Deren architektonische Entsprechung wäre die Synthese von rationeller und dynamischer Form.