{"title":"Beziehungslose Zeiten? Schweizerisch-sowjetische Beziehungen im Briefwechsel von Heinz Hopf und Pawel Sergejewitsch Alexandrow, 1931–1946","authors":"Matthias Stettler","doi":"10.24894/2296-6013.00126","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"Die Oktoberrevolution 1917 fand in der Schweiz nicht die gleiche Zustimmung wie der Sturz der Zarenherrschaft acht Monate zuvor.1 Die sowjetische Regierung wurde zwar offiziell nicht anerkannt, aber eine diplomatische Mission im Mai 1918 in Bern empfangen. Damit nahm die Schweiz de facto Beziehungen zu Sowjetrussland auf und war zu diesem Zeitpunkt neben Deutschland das einzige Land mit diplomatischen Beziehungen zur neuen sowjetischen Regierung.2 Unter aussenund innenpolitischem Druck brach der Bundesrat allerdings bereits im November 1918 die diplomatischen Kontakte wieder ab und die sowjetische Vertretung wurde unter Militäraufsicht aus der Schweiz ausgewiesen.3 Obwohl beide Seiten zu verschiedenen Zeitpunkten an der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen interessiert waren, kam es erst nach ungefähr dreissigjährigem Unterbruch, am 18. März 1946, in Belgrad wieder zum Austausch diplomatischer Noten. Es handelte sich dabei um den ersten offiziellen diplomatischen Kontakt zwischen den beiden Ländern.4 Deswegen spricht Christine Gehrig-Straube in ihrer 1997 erschienenen Dissertation für die angesprochene Periode von den Beziehungslosen Zeiten.5 Während die diplomatischen Beziehungen unterbrochen waren, war das allgemein für die Kommunikation zwischen den beiden Ländern nicht der Fall und private sowie wirtschaftliche Verbindungen hatten weiterhin Bestand, worauf auch Gehrig-Straube bereits hinwies.6 Weitere Untersuchungen aus der Schweiz belegen den anhaltenden Kontakt von Privatpersonen und offiziellen Stellen beider Länder auch in den Beziehungslosen Zeiten, wobei insbesondere Auswanderungen von einem Land ins andere, Reisen von Politikern, Personen der politischen Linken und der Presse, das IKRK und kulturelle Beziehungen untersucht wurden.7 Wissenschaftliche Kontakte und der Austausch zwischen","PeriodicalId":82668,"journal":{"name":"Schweizerische Zeitschrift fur Geschichte. Revue suisse d'histoire. Rivista storica svizzera","volume":"1 1","pages":""},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2023-01-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"0","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Schweizerische Zeitschrift fur Geschichte. Revue suisse d'histoire. Rivista storica svizzera","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://doi.org/10.24894/2296-6013.00126","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
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Abstract
Die Oktoberrevolution 1917 fand in der Schweiz nicht die gleiche Zustimmung wie der Sturz der Zarenherrschaft acht Monate zuvor.1 Die sowjetische Regierung wurde zwar offiziell nicht anerkannt, aber eine diplomatische Mission im Mai 1918 in Bern empfangen. Damit nahm die Schweiz de facto Beziehungen zu Sowjetrussland auf und war zu diesem Zeitpunkt neben Deutschland das einzige Land mit diplomatischen Beziehungen zur neuen sowjetischen Regierung.2 Unter aussenund innenpolitischem Druck brach der Bundesrat allerdings bereits im November 1918 die diplomatischen Kontakte wieder ab und die sowjetische Vertretung wurde unter Militäraufsicht aus der Schweiz ausgewiesen.3 Obwohl beide Seiten zu verschiedenen Zeitpunkten an der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen interessiert waren, kam es erst nach ungefähr dreissigjährigem Unterbruch, am 18. März 1946, in Belgrad wieder zum Austausch diplomatischer Noten. Es handelte sich dabei um den ersten offiziellen diplomatischen Kontakt zwischen den beiden Ländern.4 Deswegen spricht Christine Gehrig-Straube in ihrer 1997 erschienenen Dissertation für die angesprochene Periode von den Beziehungslosen Zeiten.5 Während die diplomatischen Beziehungen unterbrochen waren, war das allgemein für die Kommunikation zwischen den beiden Ländern nicht der Fall und private sowie wirtschaftliche Verbindungen hatten weiterhin Bestand, worauf auch Gehrig-Straube bereits hinwies.6 Weitere Untersuchungen aus der Schweiz belegen den anhaltenden Kontakt von Privatpersonen und offiziellen Stellen beider Länder auch in den Beziehungslosen Zeiten, wobei insbesondere Auswanderungen von einem Land ins andere, Reisen von Politikern, Personen der politischen Linken und der Presse, das IKRK und kulturelle Beziehungen untersucht wurden.7 Wissenschaftliche Kontakte und der Austausch zwischen