{"title":"Das Lager als Matrix der Moderne? Kritische Reflexionen zum biopolitischen Paradigma","authors":"G. Hartung","doi":"10.14361/9783839405505-005","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"Giorgio Agamben die These, daß „das Lager“ als das „biopolitische Paradigma der Moderne“ anzusehen ist. Bei genauem Hinsehen verschärft sich diese These, insofern Agamben herausarbeitet, daß im 20. Jahrhundert alle Politik in Bio-Politik transformiert wird, mithin „das Lager“ nicht ein Paradigma unter mehreren ist, um z.B. die Funktionsweise totalitärer Herrschaftsformen zu begreifen, sondern das Beispiel für „die Moderne“ schlechthin, die folgerichtig auf der Grundlage totalitärer Politik aufruht.1 ___Ein immer wiederkehrendes Stilmittel der Texte Agambens wird auch an dieser Stelle deutlich: Seine Thesen beruhen auf Setzungen, nicht auf Deduktionen. Das hat den großen Vorteil, daß Agamben sich nicht mit der Herleitung seiner Perspektive aufhalten muß und unmittelbar zu, oftmals hellsichtigen und prägnanten, Analysen der politischen Situation im 20. Jahrhundert kommen kann. Der Nachteil ist, daß der Leser aufgrund fehlender Herleitung und Kontextuierung der Thesen respektive Perspektiven nicht um ihre Reichweite weiß: Was genau erklären sie und wo liegt die Grenze ihrer Erklärung? Geht es Agamben um politische Philosophie, politische Anthropologie, politische Ontologie oder Sozio-Ontologie? Oder gar alles in einem?2 Da diese Fragen nicht eindeutig zu klären sind, entsteht der Eindruck, daß Agamben, gerade weil er nicht über die Begrenzung seines Theo-","PeriodicalId":429345,"journal":{"name":"Auszug aus dem Lager","volume":"27 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2007-12-31","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"0","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Auszug aus dem Lager","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://doi.org/10.14361/9783839405505-005","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
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Abstract
Giorgio Agamben die These, daß „das Lager“ als das „biopolitische Paradigma der Moderne“ anzusehen ist. Bei genauem Hinsehen verschärft sich diese These, insofern Agamben herausarbeitet, daß im 20. Jahrhundert alle Politik in Bio-Politik transformiert wird, mithin „das Lager“ nicht ein Paradigma unter mehreren ist, um z.B. die Funktionsweise totalitärer Herrschaftsformen zu begreifen, sondern das Beispiel für „die Moderne“ schlechthin, die folgerichtig auf der Grundlage totalitärer Politik aufruht.1 ___Ein immer wiederkehrendes Stilmittel der Texte Agambens wird auch an dieser Stelle deutlich: Seine Thesen beruhen auf Setzungen, nicht auf Deduktionen. Das hat den großen Vorteil, daß Agamben sich nicht mit der Herleitung seiner Perspektive aufhalten muß und unmittelbar zu, oftmals hellsichtigen und prägnanten, Analysen der politischen Situation im 20. Jahrhundert kommen kann. Der Nachteil ist, daß der Leser aufgrund fehlender Herleitung und Kontextuierung der Thesen respektive Perspektiven nicht um ihre Reichweite weiß: Was genau erklären sie und wo liegt die Grenze ihrer Erklärung? Geht es Agamben um politische Philosophie, politische Anthropologie, politische Ontologie oder Sozio-Ontologie? Oder gar alles in einem?2 Da diese Fragen nicht eindeutig zu klären sind, entsteht der Eindruck, daß Agamben, gerade weil er nicht über die Begrenzung seines Theo-