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Abstract
Die kulturwissenschaftlichen Akzentuierungen der Literaturwissenschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten haben zweifellos und nicht zu ihrem Schaden zu einer beträchtlichen Erweiterung literaturwissenschaftlicher Forschungsfragen und -perspektiven geführt. Sie haben allerdings auch ein methodisches Problem noch deutlicher hervortreten lassen, vor das sich bereits die ältere ideenoder sozialgeschichtliche Orientierung der Literaturwissenschaft gestellt sah (und weiterhin sieht). Das Problem nämlich, wie literarische Texte plausibel auf Kontexte zu beziehen sind, seien sie etwa ideengeschichtlicher oder sozialgeschichtlicher, verbaltextueller oder nicht-verbaltextueller Art. Dass die Wahrheit bei diesem Problem im Auge des Betrachters liege, legt Katja Mellmanns Resümee ihres Beitrags für das Themenheft Context des Journal of Literary Theorie (2014) nahe: »Das sogenannte Text/Kontext-Problem ist eigentlich gar keins; es ist vielmehr eine Fragestellung.« Mellmanns zuvor entfalteter Vorschlag, das vermeintliche ›Problem‹ zu lösen, indem man es als eine empirisch analysierbare ›Fragestellung‹ versteht, verlagert jedoch das Problembzw. jetzt dieFragenur. Kontexte sinddemnach»empirisch, überdie spezifischen Bezugsformulierungen in den Quellen« gegeben und »das sogenannte Hierarchisierungsoder Relevanzproblem, d. h. die Frage, welche ›Kontexte‹ für einen Text überhaupt relevant und welche vielleicht relevanter als andere sind«, soll nicht diskutiert, sondern als Gegenstand von »weiteren Anschlusskommunikationen« im Rahmen einer »Rezeptionsanalyse [...] neben der Werkanalyse« beobachtet werden. Abgesehen davon, dass auch so das methodische Problem erhalten bleibt, in welcher Weise und Gewichtung Werkund Rezeptionsanalyse ›nebeneinander‹