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Auszug aus der „Lagerzivilisation“. Russische Lagerliteratur im europäischen Kontext
unter dem Titel „GULAG als Zivilisation“ (GULAG kak civilizacija) eine Essaysammlung des russischen Schriftstellers Andrej Bitov über das Verhältnis von russischer Literatur und der historischen bzw. zivilisatorischen Entwicklung Rußlands. Bitov zitiert darin aus einem eigenen Text, der von der sowjetischen Zensur bei dessen Erstpublikation 1987 derart verunstaltet worden war, daß er sich nachträglich veranlaßt sah, seine damalige Absicht zu erklären: „Daß Dostoevskij, wie Robinson, das Arbeitslager als Insel entdeckte. Und daß, ein Jahrhundert später, Solženicyn entdeckte, es handelte sich nicht um eine einzelne Insel, sondern um ein System, einen Archipel – da war er bereits ein Magellan. Gemeint ist auch, daß mit der Zeit zwischen den Zonen die Freiheit versickerte, wie Wasser – die Wasserläufe trockneten aus und alles wurde zur Zone. Daß, welche Wirklichkeit man auch nimmt, man sie als Lager beschreiben kann. Daß das Lager eben das Modell unserer Welt darstellt.“1 Von diesem Standpunkt aus, heißt es weiter, habe er alle Texte seines neuen Buches verfaßt – gemeint war der 1997 erschienene Band Der neue Gulliver (Novyj Gulliver). Bitov markiert Differenzen zwischen den jeweiligen Schreibsituationen – der einstigen, d.h. innerhalb des Raumes der Sowjetkultur, und der jetzigen, d.h. nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Früher, so vermerkt er, wäre vieles nicht