密码是白色的格特鲁德科尔玛斯世界中的白色纸张

Shira Miron
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So lässt sich der fünf Sätze umfassende Anfangsabschnitt als eine selbstständige textuelle Einheit lesen, die chiastisch strukturiert ist. Der erste und der fünfte Satz, die zusammen den Rahmen dieser Einheit bilden, setzen die Dichtung und die Kunst gleich (die Aussage „Ich bin keine Dichterin“ steht komplementär zu der Aussage „Ich bin keine Künstlerin“). Der zweite und der vierte Satz lassen sich als ein langer, wenn auch unterbrochener Satz lesen, der von einem unerfüllbaren Wunsch des Ich spricht: eine Geschichte zu schreiben. Im Zentrum des Abschnitts steht die Beschreibung dieser erwünschten Geschichte, die gleichzeitig die einzigartige Fähigkeit des Dichters und Künstlers offenbart – die Hervorbringung einer „schöne[n] Erzählung [...] mit Anfang und Ende“. 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摘要

这首无名的自传是赫兹特·科尔玛斯最后一部交代的作品的始作俑者,这部作品于1939年写成。(斯巴伦于1992年,89年)下面是一个一句我既不否认,也不条件,也不假意的下面是一个写在自身时态“只有一个老教师grauendem轨道,zermürbter额头和Tränensäcken疲乏中眼睛”(Kolmar . 1993年,7)把Folgesatz eröffnende用形容词"只是青年,一方面作为关节范围内跟现实的Fiktionalen通往真实,另一方面作为Zäsur上面引用的主题性节在事后也作为一个独立poetologische表达理解.允许比如,5句完整的初始阶段可以被描述成一个独立的使用密码结构的独立文本单元。作为这个单位的框架,第一句和第五句均包含诗和艺术(“我不是诗人”这句话是补充了“我不是艺术家”这句话的互补要素)。第二个和第四个句子可以读成一个长句子,即使是我们失去交替的句子,这表示我的一个无法满足的愿望:写一个故事。这个阶段叫“希望的故事”,同时也流露出诗人和艺术家独一无二的能力,能造就“优美的故事”。从头到尾都很重要。出篇和结尾不单是作者提出的“一篇优美的故事”中理想的特征,同时也说明了每一篇诗歌的存在条件,也就是“苏珊娜的故事”。这些
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Polyphon gefasstes Weiss – das weiße Papier in Gertrud Kolmars Welten
Mit diesem Selbstbekenntnis der namenlosen Ich-Erzählerin beginnt Gertrud Kolmars letztes überliefertes Werk, die im Jahr 1939 geschriebene Erzählung Susanna (Sparr 1992, 89). Gleich darauf folgt ein weder verneinter, noch bedingter, noch hypothetischer, sondern ein in der Gegenwartsform geschriebener Satz, in dem das Ich sich als es selbst zu erkennen gibt: „Nur eine alte Erzieherin mit grauendem Scheitel, zermürbter Stirn und Tränensäcken unter den müden Augen“ (Kolmar 1993, 7). Das den Folgesatz eröffnende Adverb „Nur“ funktioniert dabei einerseits als Gelenk, das im Rahmen der erzählten Wirklichkeit vom Fiktionalen zum Realen führt, andererseits als Zäsur, die den oben zitierten einführenden Abschnitt im Nachhinein auch als eine unabhängige poetologische Äußerung zu verstehen erlaubt. So lässt sich der fünf Sätze umfassende Anfangsabschnitt als eine selbstständige textuelle Einheit lesen, die chiastisch strukturiert ist. Der erste und der fünfte Satz, die zusammen den Rahmen dieser Einheit bilden, setzen die Dichtung und die Kunst gleich (die Aussage „Ich bin keine Dichterin“ steht komplementär zu der Aussage „Ich bin keine Künstlerin“). Der zweite und der vierte Satz lassen sich als ein langer, wenn auch unterbrochener Satz lesen, der von einem unerfüllbaren Wunsch des Ich spricht: eine Geschichte zu schreiben. Im Zentrum des Abschnitts steht die Beschreibung dieser erwünschten Geschichte, die gleichzeitig die einzigartige Fähigkeit des Dichters und Künstlers offenbart – die Hervorbringung einer „schöne[n] Erzählung [...] mit Anfang und Ende“. Der Anfang und das Ende sind nicht nur idealtypische Merkmale der von der Erzählerin vorgestellten „schöne[n] Erzählung“, sondern zugleich die Existenzbedingungen jedes poetischen Texts als solchem, und somit auch von jenem, der mit diesen Worten anfängt, nämlich der Erzählung Susanna. Die
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