{"title":"批评我","authors":"Felix Schölch","doi":"10.1515/yejls-2019-0014","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"Neben Nachlässen bekannter Schriftstellerinnen und Schriftsteller befinden sich in den umfangreichen Beständen des Marbacher Literaturarchivs (DLA) schriftliche Hinterlassenschaften von Literaten, die heute keiner größeren Öffentlichkeit mehr bekannt sind, deren Schaffen aber nicht minder wissenschaftlich relevant ist. Einer dieser Nachlässe ist das weit über 100 Archivkästen und beinahe zwei Regale füllende schriftliche Vermächtnis des deutsch-israelischen Religionsphilosophen und Schriftstellers Schalom Ben-Chorin (1913–1999). In dessen Unterlagen findet sich ein vergilbtes Buch mit dem Titel „Kritiken über mich“. Versehen mit Fotografien und Rezensionen, handschriftlichen Notizen sowie Ankündigungen, die für den einstigen Besitzer von Bedeutung waren, stellt dieses ursprüngliche Blankobuch eine Art Sammelalbum dar, das in der Mehrzahl Zeitungsausschnitte und Rezensionen enthält und daher im Folgenden als RezensionenSammelalbum bezeichnet wird. Die darin enthaltenen, meist chronologisch und werkspezifisch arrangierten Einträge zeichnen die Anfänge von Ben-Chorins schriftstellerischer Tätigkeit durch die Linse veröffentlichter Kritiken in den Jahren 1931 bis 1943 auf. Das Rezensionen-Sammelalbum enthält zudem eine auf die Innenseite des Buches eingeklebte Kladde mit lose eingelegten Dokumenten, die über das Jahr 1943 hinausgehen, vom Verfasser aber nicht im Album platziert wurden. Das Rezensionen-Sammelalbum Ben-Chorins kann als Inszenierung seiner selbst und für sich selbst, aber auch als Hinterlassenschaft für die Nachwelt betrachtet werden. Aus heutiger Sicht stellt es eine bemerkenswerte Quelle dar, die das Leben und Schaffen des Religionsphilosophen, seine Werke und deren kritische Rezeption sowie auch die Wahrnehmung der Rezeption durch BenChorin dokumentiert. Ohne Aufzeichnungsbesonderheiten außer Acht zu lassen, soll das historische Dokument hier aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive, d. h. unter Berücksichtigung des Quellenwertes für die Untersuchung des Schaffens Ben-Chorins darund vorgestellt werden. Hierbei scheint die Frage von zentraler Bedeutung zu sein, welche Auskünfte eine solche Quelle Historikern offerieren kann und im Besonderen, inwiefern das Rezensionen-Sammelalbum neue Zugänge zu Schalom Ben-Chorins sozialer und schriftstellerischer Umgebung ermöglicht.","PeriodicalId":265278,"journal":{"name":"Yearbook for European Jewish Literature Studies","volume":"21 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2019-11-18","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"0","resultStr":"{\"title\":\"„Kritiken über mich“\",\"authors\":\"Felix Schölch\",\"doi\":\"10.1515/yejls-2019-0014\",\"DOIUrl\":null,\"url\":null,\"abstract\":\"Neben Nachlässen bekannter Schriftstellerinnen und Schriftsteller befinden sich in den umfangreichen Beständen des Marbacher Literaturarchivs (DLA) schriftliche Hinterlassenschaften von Literaten, die heute keiner größeren Öffentlichkeit mehr bekannt sind, deren Schaffen aber nicht minder wissenschaftlich relevant ist. 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