{"title":"Historischer Erfolg und ungewisse Zukunft. Ein kurzer Rückblick auf die Inkorporierung der Freien Wohlfahrtspflege in die staatliche Sozialpolitik","authors":"Holger Backhaus-Maul","doi":"10.5771/9783748904069-i","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"Die Freie Wohlfahrtspflege ist mit ihren Verbänden, Mitgliedsorganisationen und persönlichen Mitgliedern sowie Einrichtungen und Diensten eine der traditionsreichsten und wichtigsten Institutionen der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen und der Produktion öffentlicher sozialer Dienstleistungen im Besonderen (Heinze/Olk 1981; Rauschenbach/Sachße/ Olk 1995; Schmid/Mansour 2007; Grunwald/Langer 2018). Ihre Tradition als Inbegriff gesellschaftlicher Selbstorganisation reicht bis zur Entstehung der konfessionellen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas im 19. Jahrhundert zurück (Sachße/Tennstedt 1988). Die Freie Wohlfahrtspflege gründet in spezifischen sozialkulturellen Milieus, wie dem Protestantismus, Katholizismus und Judentum sowie der Arbeiterbewegung und dem Bürgertum, die in der Weimarer Republik von den Reichsspitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege weitgehend abgebildet wurden (Rauschenbach/Sachße/Olk 1995). Und selbst für nicht an religiöse, politische und soziale Milieus gebundene Personengruppen verfügt die Freie Wohlfahrtspflege seit 1924 mit der Vereinigung der freien privaten gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands, dem Vorläufer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, über ein organisiertes Angebot. So konnte die Freie Wohlfahrtspflege in der Weimarer Republik selbstbewusst und voller Zuversicht behaupten, die deutsche Bevölkerung zu repräsentieren und entsprechend politisch legitimiert zu sein. Und heute?","PeriodicalId":354275,"journal":{"name":"Demokratie und Wohlfahrtspflege","volume":"1 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"1900-01-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"1","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Demokratie und Wohlfahrtspflege","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://doi.org/10.5771/9783748904069-i","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
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Abstract
Die Freie Wohlfahrtspflege ist mit ihren Verbänden, Mitgliedsorganisationen und persönlichen Mitgliedern sowie Einrichtungen und Diensten eine der traditionsreichsten und wichtigsten Institutionen der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen und der Produktion öffentlicher sozialer Dienstleistungen im Besonderen (Heinze/Olk 1981; Rauschenbach/Sachße/ Olk 1995; Schmid/Mansour 2007; Grunwald/Langer 2018). Ihre Tradition als Inbegriff gesellschaftlicher Selbstorganisation reicht bis zur Entstehung der konfessionellen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas im 19. Jahrhundert zurück (Sachße/Tennstedt 1988). Die Freie Wohlfahrtspflege gründet in spezifischen sozialkulturellen Milieus, wie dem Protestantismus, Katholizismus und Judentum sowie der Arbeiterbewegung und dem Bürgertum, die in der Weimarer Republik von den Reichsspitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege weitgehend abgebildet wurden (Rauschenbach/Sachße/Olk 1995). Und selbst für nicht an religiöse, politische und soziale Milieus gebundene Personengruppen verfügt die Freie Wohlfahrtspflege seit 1924 mit der Vereinigung der freien privaten gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands, dem Vorläufer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, über ein organisiertes Angebot. So konnte die Freie Wohlfahrtspflege in der Weimarer Republik selbstbewusst und voller Zuversicht behaupten, die deutsche Bevölkerung zu repräsentieren und entsprechend politisch legitimiert zu sein. Und heute?