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Abstract
Eine Stunde vom Stadtzentrum São Paulos entfernt liegt das Santuário Nacional da Umbanda zwar noch mitten im urbanen Dschungel der brasilianischen Großstadt, die sich zusammen mit ihren Vorstädten über die riesige Fläche von 8000 Quadratkilometern erstreckt und die damit zu einer der größten Metropolregionen der Welt gehört. Doch machen der mit Schlaglöchern übersäte Wirtschaftsweg auf den letzten Kilometern und die üppige Vegetation des Geländes das Santuário zu einer Ausnahme. In den Worten eines vor Ort angetroffenen Umbadisto (Umbanda-Praktizierenden) handelt es sich um eine „energetisch aufgeladene Oase des Friedens“. Das Umbanda-Gelände liegt im Bereich eines ehemaligen Steinbruchs, der in den 1960er Jahren den Betrieb einstellte, und ist heute Teil des Naturschutzgebietes Serra do Mar. Geistiger Vater des Santuário ist Ronaldo Linares, von seinen Anhängern als Pai do Santos („Vater der Heiligen“) bezeichnet und der Selbstdarstellung auf der Homepage zufolge ein „historisches Wahrzeichen im brasilianischen Umbanda“. Im weltlichen Leben Radiologe und Journalist, kam Pai Ronaldo („Vater Ronaldo“) mit Zélio Fernandino de Morais in Kontakt, der als Gründer der spiritistischen Umbanda-Tradition angesehen wird. Ronaldo Linares lernte selbst, wie man mit der Welt der Geister in Kontakt treten kann, und unterrichtete in der Folge andere Geist-Medien. Er verfasste mehrere Bücher zum Thema Umbanda und Spiritismus und trieb seit den 1960er Jahren den Weg zur Gründung des Santuário voran. Nach Angaben auf der Homepage hat sich der ehemalige Steinbruch als Stätte, in welcher die Kommunikation mit dem Geistwesen Xângo eine zentrale Rolle spielt, als idealer Ort angeboten: Denn Xângo bezieht einen Teil seiner Energie für das Eintreten für Gerechtigkeit aus Natursteinen.